Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 3 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2555009-2555012--09233-2565369- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 gerechnet. Zu seiner größten Überraschung entblößten die Zuden ihre Hälse, um sich lieber töten zu lassen, als eine Verletzung des göttlichen Gesetzes zuzugeben. Der Landpfleger wagte es nicht, seine Drohung zu erfüllen. Vielmehr ordnete er die Beseitigung des Anstoßes an. Gin andermal dagegen ließ er eine Anzahl Juden von seinen Truppen mit Anütteln bearbeiten. Zn diesem Fall handelte es sich um Leute, die sich seinem Vorhaben, die Rosten einer Zerusalemer Wasserleitung mit Tempelgeldern zu bezahlen, widersetzten. Wegen solcher Gewaltthätigkeiten, die ihm auch philo vorwirft, mußte er allerdings eine Anzeige bei seinem kaiserlichen Herrn fürchten, und so gab er wider besseres Wissen und Gewissen (Matth. 27, 2ß<: (9) dem Drängen der Ankläger Zesu nach, lieferte den Aufrührer und Mörder Barabbas aus und ließ Zesum kreuzigen. Gs war umsonst, daß er vor den: Volk seine Hände wusch: die Schuld an dem entsetzlichsten aller Zustizmorde blieb auf ihm sitzen, und der ungerechte Richter verfiel dem Gericht Gottes. „Wer will die Hand an den Gesalbten des HGrrn legen und ungestraft bleiben?" Im Zahre 36 n. Thr. ereilte ihn sein Geschick, nachdem er inzwischen noch mehrfach sein Amt gemißbraucht hatte. Den Ausschlag gab ein Blutbad, welches er unter den durch einen falschen Propheten bethörten Samaritern anrichten ließ. Als man den Landpfleger deswegen bei seinen: nächsten Vorgesetzten, dem Legaten von Syrien, Vitellius, verklagte, schickte dieser ihn nach Rom, damit er sich vor den: Aaiser verantworte. Ehe Pilatus in Rom ankam, mußte Tiberius vor dem höchsten Richter erscheinen. Immerhin ist es sehr fraglich, ob der Angeklagte von seinem ehemaligen Gönner freigesprochen worden wäre, da dieser schon einmal den Juden geholfen und die von Pilatus in Jerusalem aufgestellten Weiheschilder nach Täsarea hatte schaffen lassen. Der römische Senat, vor dessen Richterstuhl er jetzt gezogen wurde, schickte ihn in die Verbannung. Einer koptischen Sage zufolge hätte sich Pilatus noch zu Ghristo bekehrt und den Märtyrerlod erlitten. Nach der gewöhnlichen Überlieferung starb er als Selbstmörder in Vienne, wo auch Archelaus (Matth. 2, 22) endete, während herodes Antipas, der ja bei der Verurteilung Jesu auch eine traurige Rolle gespielt hatte (Luk. 23, 7 ff ), nach Lyon verbannt wurde. (Schluß folgt.) Aus Tiberias sind traurige Nachrichten eingegangen. Der Missionsgehilfe Goldenberg schrieb uns unterm 8. Dez. (892: „3m vergangenen Winter kamen 2 Thachamim (Gelehrte) zu Pastor Gwing und sagten ihm, daß sie eine Disputation über das Alte und Neue Testament mit ihm führen möchten, aber nur am Sabbath Zeit hätten. Pastor <£. sagte, daß er hierzu immer bereit sei; wenn sie Zeit hätten, könnten sie kommen. Gr ließ mich wissen, daß ich an dem Gespräch teilnehmen sollte. An einigen Sabbathen kamen nun die beiden, und die Wahrheit wurde ihnen gründlich nachgewiesen. Dann zog sich der eine zurück, der andere aber untersuchte die Sache