Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 3 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.\9 . Leben erhalten, aber auch seinen Vater an einer bösen Thal verhindern. Ähnlich ist ferner die Fürbitte Esthers. Angegriffen wurde ihr eigenes Volk, und der, welcher den Juden Verderben bringen wollte oder sollte, war ihr königlicher Gemahl. Auch an ein Stück der römischen Geschichte denken wir bei der Botschaft, welche die Tochter Roms am Todestage Jesu ihrem Gemahl sandte. Es war i. I. H88 v. Ehr., da erschien vor der Stadt am Tiberstrom der aus ihren Mauern ausgestoßene Gnäus Marcius Aoriolanus mit einem starken volskischen Heer. Der Verbannte wollte seine finsteren Rachegedanken verwirklichen und seine Vaterstadt vernichten. Schrecken befiel alle Bewohner Roms. Eine Gesandtschaft, die den Gefürchteten bat, von Rom abzuziehen, und die ihm seine Zurückberufung in Aussicht stellte, wurde von Aoriolan abgewiesen. Einer zweiten, die aus Priestern bestand, ging es nicht besser. Aalt wandte er den Männern den Rücken, als sie sich flehend vor ihm niederwarfen. Da naht dem Lager der Volsker noch ein dritter Zug. Es sind römische Frauen. Unter ihnen befindet sich Aoriolans eigene Gattin Volumnia, die feine beiden Ainder auf den Armen trägt. An der Spitze des Zuges aber schreitet seine Mutter Veturia. Jetzt tritt sie an den Sohn mit ernstem Blick heran und spricht: ,,Aannst Du dies Verfahren gegen Deine Vaterstadt vor den Göttern verantworten? Willst Du der Mutter Fluch oder Segen?" Thränen über den verbrecherischen Sohn, den sie geboren hat, ersticken ihre Stimme. Nun endlich wird Aoriolans harter Sinn erweicht. Er fällt der Weinenden um den Hals und ruft: „O Mutter, Mutter! Rom hast Du gerettet, aber Deinen Sohn verloren!" Seine Ahnung war nur zu begründet. Als er feinerer von Rom zurückgezogen hatte, töteten ihn die Volsker. „Rom gerettet und der Sohn verloren!" Das war der Erfolg von Veturias Fürsprache. Was hat die Gemahlin des Pilatus dadurch ausgerichtet, daß sie in der Frühe des Aarfreitags ein gutes Wort für den angeklagten Erlöser einlegte? Ach, sie hat diesen nicht gerettet und hat ihren Gemahl verloren! Pilatus ließ sich von der fanatisierten Menge, die ihm mit dem Aaiser drohte, bewegen, Iesum zu verurteilen. Er hatte Ursache, des Aaisers Urteil zu fürchten. In seiner Amtsführung waren manche Mißgriffe vorgekommen. Das Neue Testament gedenkt einer auf seinen Befehl ausgeführten Niedermetzelung von Galiläern, die im Tempel opferten (Luk. (5, (). Der jüd. Geschichtschreiber Iosephus erzählt von einem Aufstand in Jerusalem, welchen der Prokurator dadurch veranlaßte, daß er die den militärischen Feldzeichen beigegebenen Bilder des Tiberius bei Nacht in die heil. Stadt bringen ließ. Den Bewohnern der letzteren galten jene Bilder als Zeichen der Abgötterei, und so zogen sie scharenweise nach Eäsarea und flehten hier den Landpfleger kniefällig um Entfernung derselben an. 5 Tage lang lagen sie vor seinem Palast im Staube. Endlich, am 6. Tage, ließ er sich von den Bittstellern sehen und hören, aber nur um ihnen zu erklären, daß er sie sofort von seinen Soldaten würde niedermachen lassen, falls sie sich noch länger weigern sollten, die Aaiserbilder in Jerusalem zu dulden. Aber Pilatus hatte falsch