Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 2 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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\3 Gnade glücklich hier an . . Gegen 5 Uhr gingen wir nach einer nicht weit von hier liegenden Vorstadt, wo früher allein die Juden gewohnt haben und jetzt noch manche wohnen. Am Ende derselben, die etwas Ähnlichkeit mit einer polnischen Stadt hat, holten uns zwei Leute, Mann und Frau, ein, die ich für Juden hielt, zu denen wir u. a. viel über Josephs Brüder sprachen, wobei wir uns wunderten, daß sie, obgleich nichts vom hebräischen verstehend, mit dem Neuen Testament etwas bekannt waren. Nach ziemlich langem Gespräch, als sie weiter aufs Feld gehen wollten, zeigte sich ein ansehnlicher Herr, der zu uns herankam, und den jene als Juden bezeichneten. Wir knüpften daher ein Gespräch mit ihm an nnd begleiteten ihn bald x/i Stunde lang, fanden ihn aber leider sehr ungläubig und leichtsinnig und kehrten daher endlich um, während er einem Vergnügungslokal zuging. Der HTrr wolle sich seiner und aller erbarmen! heute früh kam der erste, mit dem wir sprachen, zu uns, da wir ihn gestern eingeladen hatten. Aber nun ergab es sich, daß er und seine Frau Christen sind: sie lutherisch, aber einer Jüdin ähnlich, wie er selbst einräumte, und er katholisch. Doch gaben wir ihm einige christliche Traktate, und er versprach uns, einige junge Juden herzuschicken. . . Telle, den 26. Juli s856. — Gelobet sei der HTrr, unser gnädiger dreieiniger Gott, für alle Seine, Tuch und auch mir bisher erwiesene vielfache Gnade und Barmherzigkeit in leiblicher und geistlicher Hinsicht! . . Durch des HTrrn Gnade haben wir bis jetzt, namentlich gestern und heute, ldo wir in der Synagoge waren, einer ziemlichen Anzahl Juden das Wort verkündigen können. Zwar hatten wir meistens dainit zu thun, den Schutt des Unglaubens wegzuräumen, dabei kann aber doch manches sitzen geblieben und von dem heiligen Geiste ihnen ins Herz gebracht worden fein, was uns natürlich verborgen ist. Gestern sprachen wir gegen zwei Stunden vor und in einem Laden, . . wo im ganzen etwa jO Personen zugegen waren, und heute haben wenigstens ebcnsoviele gehört, was wir nach dem jüdischen Gottesdienst erst zu einigen andern und zuletzt zu dem Lehrer sprachen, doch war dieser etwas heftig. Auch mit zwei Ärzten haben wir gesprochen, von denen wir einen auf Empfehlung des reformierten Predigers in seinem Hause besuchten. Zu dem andern sprach ich meistens bei jenem Laden und fühlte eine ungemeine Hinneigung, ich kann fast sagen: Liebe zu ihm, als ich sprach, so daß ich einen Segen davon erhoffe. Sehr gerne möchten wir mit allen und jedem einzelnen sprechen, aber sie halten uns für ihre Feinde, während ich hoffe, daß wir ihre besten Freunde find. Der Lehrer warnte die andern Juden vor uns als Spöttern, indem er ihnen aus ps. s zurief, sic sollten nicht wandeln im Rat der Gottlosen noch sitzen, da die Spötter sitzen. Vater, mögen auch wir hierbei beten, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun! . . Lesen des Wortes Gottes und Gebet sind Äußerungen des geistigen, inneren Menschen. Lebt der, oder ist der recht lebendig, so braucht er viele Nahrung, wie die Lokomotive Aohlen und Wasser, wenn sie in ihrem Lauf nicht