Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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trünniger, oder wir werden auch Dich verbrennen!" Leine Mutter war bei dieser Unterredung zugegen und bat ihn, still zu sein, da man ihn sonst töten würde. Er antwortete ihr: „Liebe Mutter, Du weißt, wie herzlich ich Dich immer geliebt habe. Nicht Mangel an Liebe hält mich davon ab, jetzt Deinen Willen zu thun, sondern Gottes Geist treibt mich an, zu reden. Ich fürchte nicht, daß die Juden mich töten. Sie könnten mir keinen größeren Gefallen erweisen, da ich so von meinen Leiden erlöst werden würde und zu meinem lieben Heiland käme, nach dessen Anblick ich mich sehne." Wirklich schien es so, als hätte jetzt B.'s letzte Stunde geschlagen. Nur das Dazwischentreten einiger besonnener Männer rettete ihn von dcr rasenden Wut der Gegner. Noch einmal wurde seine Hoffnung auf Befreiung zu Schanden. Die Juden hatten sich an die Militärbehörde mit der Bitte gewandt, B. ins Heer einzureihen, obwohl er zum Dienst mit der Waffe körperlich untauglich war. Man hatte erwartet, daß die Aussicht auf ein fö jähriges Soldatenleben ihn mürbe machen und zum Judentum zurückführen würde. Alle Beamten waren bestochen worden, um zur Ausführung jenes planes behilflich zu sein. Da erhielt die Behörde in Bitschow, welche B. bereits in Beschlag genommen hatte, zu allgemeiner Überraschung den Befehl, ihn zum Militärdienst nicht zuzulassen. So wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt und freute sich, endlich Gerechtigkeit gefunden zu haben. Aber kaum hatte er das Amtsgebäude verlassen, da umringte ihn eine Anzahl Juden und zog ihn in ein jüdisches Haus hinein. Hier wurde B. blutig geschlagen. Dann hob man ihn auf Beschluß der Mehrzahl der Versammelten in einen Schlitten, um ihn an einen andern Ort zu schaffen. Seine Freunde, die ihn nicht vergessen hatten, sollten seine Spur verlieren. Man fuhr die ganze Nacht durch und hielt erst bei Tagesanbruch vor einem Gasthause, um die Morgenandacht zu verrichten. Während sich B. in einem Zimmer der Herberge das Blut vom Gesicht wusch, trat ein russischer Priester ein. Ein Wort gab das andere, und so erfuhr der Geistliche bald, weshalb B. so grausam verfolgt wurde. Empört über dies Verfahren, rief er den Beistand eines Beamten an, der sich in der Nähe aufhielt. Aber lügnerische Behauptungen der Juden machten der Untersuchung schnell ein Ende, und das Opfer ihres Haffes blieb in ihrer Gewalt. B. wurde aufs neue gemißhandelt und dann nach Lurawitz gebracht, einer Stadt, die fast nur von Juden bewohnt wird. Hier gab man ihm wie in Bitschow eine Wache. Auch legte man ihm schwere Uetten an, um ein Entweichen unmöglich zu machen. Es war ein Freitag, an dem er in Lurawitz eintraf. An: Abend dieses Tages, beim Beginn des Sabbaths, versammelten sich viele Jüdinnen um den Gefangenen. B. sang ihnen einen Psalm vor, sprach ein Gebet und redete mit ihnen über den Messias, der die Menschen in dieser und jener Welt glücklich macht. Die Frauen waren tief gerührt und versprachen, bei ihren Männern die Losgabe des Gefangenen auszuwirken. Daß sie Wort hielten, und daß ihre