Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 49 (1893)
- Issue
- 1 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ö Aus der Lerdensschule eines christlichen Israeliten. (Fortsetzung von Jahrgang (892, S. 95.) Am andern Morgen brachten die guten Leute einen Ochsenwagen, auf dem alle fünf bis zu dem Dorf, wo sie die nächste Nacht bleiben sollten, fahren konnten. Mehrere begleiteten den Magen und führten dem gefangenen Prediger auch in jenem Dorfe Zuhörer zu. Am folgenden Tage erreichte man ein Gasthaus, welches einem reichen Juden gehörte. Diesem bezeichneten die Soldaten B. als einen Rabbiner, und so hieß der Jude ihn herzlich willkommen. Als B. darauf aufmerksam machte, daß er jetzt nicht mehr das sei, wofür jener ihn hielt, sondern ein „Isch Meschichi," ein Ehrist, rief der Jude erstaunt: „Was? Sind Sie unser erwarteter Messias?" „Nein, ich bin ein Nachfolger des Messias," antwortete der Gefangene und suchte aus Mose und den Propheten zu beweisen, daß der Messias schon gekommen und Jesus der Messias sei, fand aber keine Empfänglichkeit vor. Am vierten Tage traf man in Uman ein. Alle bisherige» Leiden waren nichts im Vergleich mit denen, die des wider Recht und Gesetz gefangen gehaltenen Bekenners der Wahrheit jetzt noch warteten. Nach kurzem Aufenthalt in Uman wurde B. an drei Mörder gekettet, um mit ihnen nach Winnagrodca geführt zu werden. Von junger und Rümmer geschwächt, mit wunden, blutenden Füßen, vermochte er mit seinen Begleitern nicht gleichen Schritt zu halten und brach endlich mit dem Ruf zusammen: „Herr Jesu, erbarme Dich über mich I" Die Soldaten, die ihn früher mit Aolbenstäßen vorwärts getrieben hatten, sahen sich jetzt genötigt, ihn von den andern Gefangenen zu trennen und auf einen Bauernwagen zu laden. So erreichte er das nächste Quartier und am folgenden Tage Winnagrodca, wo er sich einige Zeit im Hospital des Gefängnisses erholen durfte. Über Taraschza und Waschilkow wurde der Marsch in Gesellschaft von allerlei Gefangenen bis in die alte, den Russen heilige Stadt Aiew fortgesetzt. Unterwegs konnte B. manchmal das Evangelium verkündigen. Einmal umarmten ihn etliche Landleute und riefen ihm weinend zu: „Der HErr helfe Dir, Seinen Namen zu verherrlichen, wie Du es bisher gethan hast!" Bei der Ankunft in Riew traf er mit seinem Oheim auf der Straße zusammen. Derselbe suchte ihn alsbald zur Ableugnung des christlichen Glaubens zu bewegen. Da sagte B.: „Zeige mir, wenn Du es kannst, einen besseren Weg zur Erlangung der Sündenvergebung, so werde ich gerne auf demselben wandeln. Aber Du kannst es nicht. Du kannst mir nur zeitliche Vorteile anbieten, hast Du die Gewißheit des ewigen Lebens als Besitzer irdischer Reichtümer? hast Du Frieden, wenn Dir der Gedanke an den Tod kommt? Gewiß nicht I Aber wenn Du auf den Messias schauen wirst, um dessentwillen ich leide, und von welchem Mose und die Propheten redeten, so wirst Du bei ihm Ruhe für Deine Seele finden." Als bald darauf einige von seinem Oheim bestochene polizeibeainte ihm dringend zuredeten, zum