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Dibre Emeth · 1892-01-01 · 12 (1892) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
48 (1892)
Issue
12 (1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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führen. Ls mar ein fchinutziger Raum, in dem sich schon mehrere Gefangene befanden. Als sich hinter B. die Thüre geschloffen hatte, umringten ihn die Leute und fragten, woher er komme. Dann untersuchten sie seine Taschen, aber diese waren bereits von einem Beamten geplündert worden. Lr erklärte ihnen, daß er irdische Schätze nicht besitze, doch könne er ihnen ein Mittel zur Befreiung von der Sündenstrafe angeben. Und nun erzählte er ihnen die Geschichte von dem bußfertigen Schächer, der mit Jesu gekreuzigt wurde, und verkündigte ihnen die Gnade, die uns Lhristus anbietet. Nachdenr er einige Stunden lang geredet hatte, betete er mit den Unglücksgefährten, die ihm schweigend zuhörten. Am folgenden Tage besuchten ihn sein Hauptverfolger und andere Juden und drohten ihn: mit lebenslänglicher Gefangenschaft, falls er sich nicht vom Christentum lossage. B. fühlte sich durch den Geist Gottes so gestärkt, daß er mit freudigem Aufthun seines Mundes von dem Heile zeugen konnte, welches ihm widerfahren war, und welches er um keinen Preis wieder verscherzen wollte. Das letztere beteuerte er auch dem Rabbiner gegenüber, zu dem er später von einem andern Gefängnis in Odessa aus in Begleitung von Soldaten mehrfach geführt wurde. Bor den Hunderten von Gefangenen, die mit ihn: in dem zweiten Aerker lagen, konnte er von deni Brot des Lebens reden, mit welchem Christus uns versorgen will, als sie ihm die von dem Rabbiner geschenkten Speisevorräte abnahmen. Nach einiger Zeit wurde B. mit einem größeren Trupp Gefangener nach deni westlichen Rußland entsandt. Alle Versuche seiner Freunde, ihm die Freiheit wiederzugeben, waren an den Umtrieben der Feinde gescheitert. Beim Marsch nach dem Bahnhof ging er neben einem Juden, der es als eine besondere Gunst erbeten hatte, mit B. zusammengekettet zu werden. Dieser Mann war verhaftet worden, weil er die Rühnheit gehabt hatte, dem Polizeimeister zu sagen, er werde ihm nichts mehr aus seinem Laden geben, bis derselbe ihm seine Schulden bezahlt habe. Lhe der Lisenbahnzug abfuhr, hatte B. Gelegenheit, ein Mort an die Juden zu richten, welche sich auf dem Bahnhof eingestellt hatten. Während der Fahrt predigte er seinen Mitgefangenen. Am Abend des Tages, an dessen Morgen man Odessa verlassen hatte, öffneten sich ihm und den übrigen die Thore des Gefängnisses von Balta. In dieser Stadt mußte er 4 Tage bleiben, die ihr« bei der Verkündigung des Lvangeliums vor Juden und Christen schnell vergingen. Die jüdischen Bewohner von Balta waren von ihren Glaubensgenossen in Odessa über B.'s Geschichte unterrichtet worden und besuchten ihn täglich, aber hauptsächlich nur, um ihn zu beschimpfen, während die jüdischen Aerkergenossen ihn gerne predigen hörten. Von Balta ging die Reise weiter nach Olwiopol. Diese Strecke wurde zu Fuß in 2 Tagen zurückgelegt. Während der Nacht, die sie unterwegs zubrachten, schliefen die Gefangenen in einem Bauernhause auf dem schmutzigen Flur. Dabei weckte oft einer den andern aus dem Schlaf, da man ihnen die Retten nicht abgenommen hatte. In

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