Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1892-01-01 · 12 (1892) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
48 (1892)
Issue
12 (1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2554541-2554996-2555008--09206-2565340
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ein zweiter Pfarrer angestellt wurde. Seither predigte er noch hin und wieder in Potsdam und Bornstedt und trieb Seelsorge im Iosefskrankenhaus, in der Herberge zur Heimat, unter den Droschkenkutschern und wo sich sonst Gelegenheit bot. Den Droschkenkutschern pflegte er an jedem So'nnabend eine gedruckte Predigt oder eine Zeitschrift mit freundlichen Worten zu überreichen. Noch kurz vor seinem Tode ließ er für sie ein Gebet drucken/") Rührend war es für die Angehörigen, wie nach feinem Heimgang neben Hohen und Niedern auch die Rutscher nach und nach erschienen, um sich an sein Totenlager führen zu lassen, und wie sie weinend bekannten: „Der hat's gut mit uns gemeint!" Der Tod war (wie bei Goodhart) die Folge einer Lungenentzündung, an welcher er 8 Tage darniederlag. Gr hatte zuletzt noch viel zu leiden. Hin und wieder hörte man ihn seufzen: „Mein Gott und Vater!" Als er nicht mehr im stände war, zu sprechen, faltete er immer wieder die Hände. Die Beerdigung fand am 2\. Juli unter großer Beteiligung statt. Einer von den zahlreichen Aränzen war mit einer Atlasschleife versehen, auf welcher in goldenen Buchstaben zu lesen war: „Die Droschkenkutscher von Potsdam". Auch seine früheren christlichen und jüdischen Pfleglinge bewahren ihm eine herzliche Dankbarkeit, unter den letzteren namentlich eine getaufte Jüdin, die Mutter von Pastor R. in N., und der Proselyt p., der lange Zeit Rlees Hausgenosse war und jetzt als Prediger und Schriftsteller in Amerika wirkt. Gin Graf bezeichnete jüngst den Hinterbliebenen gegenüber die Jahre, die er einst in Horburg verlebte, als die schönsten seines Lebens. R. selbst meinte im Rückblick auf sein Leben, der Segen Gottes habe deshalb auf ihm geruht, weil er Gottes Volk lieb gehabt und diesem die meiste Arbeit gewidmet habe. Aus der Leidensschule eines christlichen Israeliten. (Fortsetzung.) In Odessa angekommen, hätte B. sich der weiteren Haft leicht durch Flucht entziehen können. Aber er wollte warten, bis der HGrr selber ihn in Freiheit setzen würde. So ließ er sich in den Rerker *) „Mein tägliches Morgengebet. Mein Herr und mein Gott! Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn auch heute mit Deinen guten und vollkommenen Gaben! Nimm Dich väterlich und herzlich meiner Seele an, daß sie nicht verderbe! Gieb mir Deinen Heiligen Geist, auf daß Dein Name durch mich geheiligt und verherrlicht^werde, Dein Reich zu mir komme und Dein heiliger Wille durch mich und an mir geschehe! Entsündige mich, daß ich rein werde, wasche mich, daß ich schneeweiß^werde! Erwecke mich zu einem neuen, gottseligen Leben! Schaffe in mir ein frommes, treues, rechtes, ächtes Ehristenherz! Hilf meiner Schwachheit mächtig auf, Wirkerin mir das wollen und das vollbringen des Guten nach Deinem Wohlgefallen ^Steh' mir bei .in dem Kampf wider den bösen Geist dieser argen Welt; hilf mir^ wachen undjbeten, daß ich nicht in Versuchung falle! Stärke mich im Glauben, in der Liebe, im Gehorsam, in der Geduld! verkläre mich in Lhristi Ebenbild, daMch^in allem^gefinnt werde, wie Er gesinnt war, damit Dein Geist meinem Geist das Zeugnis geben könne, daß ich ein lebendiges Glied bin an Seinem Leibe, ein Gotteskinb, ein Himmelserbe, und also auch mein Sterben mir werde zum seligen Gewinn! Amen/'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.