Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 12 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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._._9_2.■ hatte, die Stimrne. Die angewandten Mittel halfen nichts. Auch die Ärzte in Berlin, wo er mehrere Monate zubrachte, konnten ihm die Sprache nicht wiedergeben. Da besuchte er einmal den Prediger Goßner, und dieser fiel mit ihm auf die Rniee und betete, Gott wolle doch seinen treuen Diener wieder beredt machen. Dies Gebet wurde bald erhört. Als Rlee zu Weihnachten mit der Post nach Pinne fuhr, brach ein Rad am Wagen und alle Passagiere wurden heftig erschüttert. Eben diese Bewegung aber gab dem Rranken die Sprache zurück. Nach fast % Jahren konnte R. am nächsten Sonntag zum erstenmal seine geliebte Ranzel wieder besteigen und den Gott preisen, der Gebete erhört. Von dem posen'schen Städtchen, wohin er (835 gekommen war, siedelte er mit seiner Gattin, einer Tochter des Rreisgerichtsdirektors Drescher zu Wittenberg, (8^ nach Horburg über, einem an der preußisch-sächsischen Grenze bei Schkeuditz liegenden Dorfe. Die nur 500 Seelen zählende Gemeinde nahm seine Rraft nicht vollauf in Anspruch, und er suchte sich darum weitere Arbeit. Gr nahm in sein Haus Pensionäre aus vornehmen Familien auf, unter denen sich auch englische Rnaben befanden. Dann erbaute er neben dem Pfarrhaus ein Rettungshaus für verwahrloste Mädchen. Daliei studierte er fleißig die heilige Schrift und das Missionswesen, welches damals in Deutschland noch in seinem lenzlichen Anfänge stand. Oft mußte er auf Missionsfesten predigen. Auf die Iudenmission wurde er schon in Pinne dadurch hingewiesen, daß hier manche Juden seinen Rat begehrten, auch einzelne sich von ihm taufen ließen. Durch seine englischen Schüler kam er in Berührung mit der L. I.-M. In ihrem Dienste wirkte er von (858— 67 in Berlin, wo er die Lhristuskirche und ein Missionshaus erbaute, dann bis (883 in Danzig. Wie in diesen Städten, so predigte er vielen Israeliten auf seinen Missionsreisen sowohl von den Ranzeln, als auf den Straßen und in den Häusern den einigen Trost im Leben und im Sterben. Manche durfte er auf die heilige Taufe vorbereiten. Auch gab er die Missionszeitschrift „Ieschurun" heraus. Durch den noch in Berlin ((863) erfolgten Tod seines ältesten Sohnes wurde er tief ergriffen, da dies Rind ihm erst nach (2jähriger Ehe geschenkt worden war. Als dann in Danzig ((877) auch seine Gattin gestorben war, legte er sein Amt nieder und kehrte nach Berlin zurück, um hier die letzten Jahre seines Lebens zuzubringen. Aber der Generalsuperintendent Büchsel bewog ihn dazu, noch einmal als Arbeiter in den Weinberg des HGrrn einzutreten. Gr wurde vom Brandenburgischen Ronsistorium (885 als pfarrverweser nach heegermühle bei Gberswalde gesandt, um dort wie einst in Pinne ein neues Pfarramt zu begründen. Da es noch kein Pfarrhaus gab, zog er zu einem israelitischen Fabrikanten, der ihm gegen sehr geringe Bezahlung Wohnung und pflege gewährte. Seine Bitten um Beiträge zur Errichtung einer Rirche fanden viele offene Ohren. Auch als er sich (885 in seinem 76. Lebensjahre in Potsdam niedergelassen hatte, durfte er noch nicht der Ruhe pflegen. Gr wurde Hilfsprediger an der dortigen Friedenskirche und verwaltete dies Amt bis (888, wo