Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 11 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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82 2. An der Aufgabe der Mission, den Gebundenen Erlösung zu verkündigen, wurde wie in früheren Jahren mündlich und schriftlich, unmittelbar und mittelbar gearbeitet. Unter Armen und Reichen, in Algier auch unter jüdischen Matrosen auf französischen Kriegsschiffen, suchte man vor allem das bei vielen verschwundene Erlösungsbedürfnis zu wecken. Oft reizte dies zu heftigem Widerspruch, oder man stieß auf Gleichgiltigkeit, und „keine Stimme noch Antwort" war da. Andererseits kam die geheime Sehnsucht nach Wahrheit und Frieden, die mancher Israelit in sich trägt, dem Evangelium entgegen. In Irland besuchte Miss. Weinberger ein Haus, in welchem man ihm unter der Bedingung einen Platz anbot, daß von Religionssachen nicht gesprochen werden sollte. Er willigte ein, überzeugt davon, daß der Hausherr selbst bereits binnen 5 Minuten die religiösen Gegensätze berühren würde. Dies war in der Thal der Fall. Jesus wurde nun als Israels einzige Hoffnung gepriesen. Als W. dann einen Teil von Jes. 53 vorlas, meinte der Israelit: „Das ist das Neue Testament und nicht unsere alte Bibel." Miss. Rosenstrauch in Lemberg unterredete sich mit einem Lehrer über die gegenwärtige Bedrängung eines Teils der Juden. „Gottes Hand liegt schwer auf Israel," bemerkte er. „Aber es ist noch eine Hoffnung für dasselbe vorhanden." Von solcher Hoffnung wollte der Lehrer mehr wissen und erfuhr nun, sie werde sich erfüllen, wenn Israel umkehre und den HErrn, seinen Gott, und David, seinen König, suche (Hof. 5, 5). „Wann wird das sein?" fragte der Jude. „Dan», wenn der Geist der Gnade und des Gebets über sie ausgegossen ist, werden sie auf Ihn sehen, den sie durchstochen haben." „Von wem spricht der Prophet? Wer ist der Durchstochene?" „Es ist derselbe, von dem Jesaia im 55. Kapitel so deutlich redet, und der in der Fülle der Zeit erschien, litt und für unsere Sünden starb. Es ist Jesus." Der Mann war bestürzt. „Wie darf ein Jude so reden?" „Ist nicht das Szepter von Juda entwandt? Also muß der Schiloh gekommen sein. Dies ist aber niemand anders als Jesus, um den sich die Völker sammeln." Nach diesen Worten wollte der Missionar weitergehen, wurde aber von dem Lehrer zurückgehalten und gedrängt, ihm noch mehr über dieselbe Sache zu sagen. Später kam der Jude in das Haus des Missionars, um dessen Adresse er gebeten hatte. Einmal wurde R. nachts auf der Straße von einem alten Juden angeredet, welcher einer strenggläubigen Gemeinde als Schrifterklärer dient. Der Alte sagte, er würde nie bei Tage wagen, mit einem Missionar zu verkehren, daher bäte er jetzt um eine Unterredung. Beide Männer verließen nun das Iudenviertel. Im Dunkel der Nacht zeigte der Lhrist dem Juden das Licht des Evangeliums. Der Greis begleitete R. in dessen Wohnung und nahm hier mit Dank ein Neues Testament an. Jahrelang hatte er sich nach diesem Buch gesehnt. Ein Rabbiner, mit dem der Krakauer Arbeiter der L. I.-M. über den Messias sprach, rief aus: „Wer kennt die Wahrheit?" „Sie sind ein Meister in Israel und wissen das nicht?" „Nein. Ich habe viel studiert. Ich