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Dibre Emeth · 1892-01-01 · 10 (1892) · page 6

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Journal
Dibre Emeth
Volume
48 (1892)
Issue
10 (1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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78 Der junge Russe, Elieser Bassin, der wie einst Paulus im Gesetz Israels gründlich unterwiesen und ein Eiferer um Gott war, wurde neugierig. Er wollte wissen, wie jener Mann in die Schlinge der Missionare gefallen sei, und folgte ihm deshalb in einen andern Stadtteil, um ihn ohne Aufsehen anreden zu können. Eine Frage nach der russischen Post eröffnete das Gespräch. Als der Protestant erfuhr, daß der junge Mann, der ihm nachgegangen war, aus Rußland stammte, fragte er ihn: „Mas hört man dort von dem Messias?" Dies gab den Anstoß zu einer heilsamen Bewegung in der Seele des Talmudschülers. Nach mehrfacher eingehender Besprechung der Unterschiede, welche zwischen Christentum und Judentum bestehen, nach sorgfältiger Durchforschung des Neuen Testamentes gestand er den Missionaren Tomory und Landsmann, zu welchen ihn der ehemalige jüdische Lehrer geführt hatte, daß er an die in Jesu bereits stattgefundene Ankunft des Messias glaube. Namentlich hatte Mose V, sO einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Anfänglich war sein Glaube mehr Verstandessache, aber nach ernstem Gebet konnte er den Heiland auch in sein Herz aufnehmen. Er wurde nmi auf seinen Wunsch weiter unterrichtet und nach Verlauf von etwa zehn Wochen am \% April s869 in der schottischen Missionskapelle getauft. Der Übertritt dieses geistig hervorragenden Mannes verursachte eine große Aufregung unter der jüdischen Gemeinde in Ronstantinopel. Und auch in seiner russischen Heimat nahm man die Nachricht von dem, was hier geschehen war, mit Bestürzung und Zorn auf. Aber B. hatte noch keine Ahnung davon, daß das Wort Ap.-Gefch. 9, j6 auch zu ihm gesprochen sei. Am 29. September trat er als Lehrer in die schottische Missionsschule ein. Am 2. Oktober besuchte ihn ein naher Verwandter, der von der Familie abgesandt worden war, um ihn ins Judentum oder wenigstens zunächst nach Rußland zurückzubringen. Der Mann war bereits Mitte Juni nach Ronstantinopel gekommen und hatte sich schon vorher in Gemeinschaft mit einigen Rabbinern bemüht, seinen Auftrag auszuführen. An diesem Tage griff er zu Gewaltmaßregeln. Er bewog B., mit ihm ins Freie zu gehen, unter dem Vorgeben, daß er gerne näheres über Christum hören wolle. Raum hatten aber die beiden Männer die Straße betreten, als ein russischer Polizist B. verhaftete und ins russische Ronsulatsgefängnis brachte. Die Beamten waren bestochen und daher alle Vorstellungen des Gefangenen und seiner christlichen Freunde vergeblich. Am 5. Oktober sandte ihn der russische Ronsul auf einem Dampfschiff nach Odessa. Die Verfolger triumphierten. Aber B. erklärte jenem Verwandten, der mit demselben Schiffe fuhr: „Mein Heiland hat mich nicht verlassen und wird mich zur rechten Zeit von Eurer Grausamkeit befreien." Die Verse Röm. 8, 35—39, die er am Morgen vor seiner Gefangennahme bei Missionar Tomory gelesen hatte, gaben ihm jetzt einen köstlichen Trost. (Fortsetzung folgt.)

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