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Dibre Emeth · 1892-01-01 · 10 (1892) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
48 (1892)
Issue
10 (1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Juden in das Zimmer hereinstürmten, in dem sie sich befanden. Die Eindringlinge mißhandelten sie, entrissen ihnen die sorgfältig angefertigten Abschriften und verbrannten sie mit Ausnahme einer einzigen vor ihren Augen. Dann wurden die Jünglinge in den Bann gethan. Es war, als ob der Heiland sie mit den Versen des Iohannisevangeliums, die sie zuletzt geschrieben hatten, auf diese Prüfung ihres Glaubens hatte vorbereiten wollen. Wo man sie sah, wurden sie mit Steinen beworfen. So glaubten sie zur Flucht aus der Heimat genötigt zu sein. Ehe sie sich aber von einander trennten, gelobten sie sich gegenseitig, überall, wohin sie kämen, zu bekennen, daß Jesus ihr Erlöser sei. Die beiden Begründer der nunmehr aufgelösten Gesellschaft beschlossen nach Kurland zu reisen, weil sie hofften, daß sie dort das Buch finden würden, welches ihnen so teuer geworden war. Die der Vernichtung entzogene Abschrift begleitete sie. Ein Prediger in Tiflis, den sie besuchten, versah sie mit etwas Reisegeld und mit einem Empfehlungsbrief an Pastor G. in Mitau. Das ist die Geschichte der zwei israelitischen Jünglinge, die am \2. Februar in dieser Stadt eintrafen. Sie erreichten ihr Reiseziel in traurigem Zustand: krank, schlecht bekleidet, mit geschwollenen und wunden Füßen. Pastor G. brachte sie daher zunächst in ein Krankenhaus. Hier besuchte er sie täglich und erbaute sich an ihrem einfältigen Glauben und ihrer brünstigen Liebe zu Jesu Thristo. Einen Brief, in welchem G. von seinen beiden jüdischen Freunden berichtet, durfte der Schreiber dieses am 9. Mai im Hause des ehrwürdigen Begründers und Leiters der Mildmay - Mission lesen. Ebendaselbst hörte ich noch ein zweites Zeugnis von der dem Neuen Testamente innewohnenden Gotteskraft. Zu einem sterbenden Israeliten kommt ein christlicher Prediger und tröstet ihn mit Worten des Alten Testaments. Da sagt der Kranke: „Der beste Trost für mich ist das Blut Thristi." Auf die erstaunte Frage, woher er dies wisse, erzählt er: „Auf einer Reise übernachtete ich einmal mit meinem Sohne aus dem Heuboden eines Gasthauses. Dort fanden wir ein hebräisches Neues Testament. Die Wirtin erlaubte uns am andern Morgen, es mitzunehmen. So haben wir denn darin gelesen, und mein Sohn ist im Glauben an den Messias gestorben." In diesem Glauben wollte auch der Vater von hinnen fahren. Ans der Leidensschule eines christlichen Israeliten. Im Frühjahr J869 stand eines Tages in Konstantinopel ein junger russischer Jude, der nach Palästina reisen wollte, vor der Thür des Gasthauses, in welchem er abgestiegen war. Da hörte er, wie der Sohn seines Wirts über einen vorübergehenden Herrn eine Flut von Verwünschungen ausgoß. „Da geht der Abtrünnige hin," rief er, „der einst ein Lehrer in unserer Schule und ein frommer Israelit war. Die Missionare haben ihn zu einen» Nachfolger des Gekreuzigte» gemacht."

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