Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 10 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die vornehmste Pflicht, welche wir gegenüber dem von Gott in die Welt, ja, ins Fleisch entsandten Bundesengel zu erfüllen haben, spricht 2. Mose 23, 2\ aus: „Hüte Dich vor seinem Angesicht und gehorche seiner Stimme und erbittere ihn nicht!" Wer aber im Glaubensgehorsam sich zu ihm hält, soll auch von ihm zeugen. Johannisdienste soll ihm jeder Gläubige leisten. Was Mal. 2, 7 von - dein alttestamentlichen Priester gesagt wird, geht beim allgenieinen Priestertum der Gläubigen erst recht in Erfüllung. Auch der einfachste Christ kann und soll „ein Engel des HErrn Zebaoth" sein. ,,Ihr seid das königliche Priestertum," ruft uns Petrus zu, „daß Ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der Euch berufen hat von der Finsternis, zu feinem wunderbaren Licht." Auf dieselbe Aufgabe weist Friedrich Krummacher in dem Verse hin, mit dem wir schließen: ^Gräber harren aufgethan. Rauscht, verdorrete Gebeine! Wacht denr Bündesengel Bahn! Großer Tag des HErrn, erscheine! Jesus ruft: Ls werde Licht! Jesus hält, was er verspricht." Die neueste Entdeckung unseres Jahrhunderts. ' - Am (2. Februar d. I. wurde ein evangelischer Pfarrer zu Mitau in Kurland von zwei jungen Israeliten besucht, von denen der eine An Melammed, ein Religionslehrer, war. Die beiden kamen von Schemacha, einer nicht weit vom Kaspischen Meer liegenden Stadt Transkaukasiens, die von \20 jüdischen Familien bewohnt wird. Sie hatten in acht Wochen einen Weg von mehr als 2500 lcm und dabei fast die Hälfte dieser Strecke zu Fuß zurückgelegt, um — in den Besitz eines hebräischen Neuen Testamentes zu gelangen. In ihrer Heimatsstadt lebte ein Jude aus Kurland, der ein solches Buch besaß und es „die neueste Entdeckung unseres Jahrhunderts" nannte. Der Wann hütete es sorgfältig und gab es lange Zeit nicht aus der Hand. Nur die anhaltenden, dringenden Bitten jener beiden Jünglinge, die mit ihm näher bekannt geworden waren, Und. die Hinterlegung eines Pfandes, als welches 20 Rubel dienten, vermochten ihn dazu, es ihnen zu leihen. Aber die beiden blieben nicht, die einzigen beim Lesen des Neuen Testamentes: \5 andere junge Leute gesellten sich ihnen zu. Alle versammelten sich dreimal wöchentlich im Hause des Melammed, dessen Thüren dann sorgfältig verschlossen wurden, um das merkwürdige Buch zu lesen, bezw. sich vorlesen zu lassen. Bald ging Jes. 9, \ (Matth. H, (6) an ihnen in Erfüllung. In dem Hellen Licht, welches ihnen das Neue Testament anzündete, lernten sie den s800 jährigen Jammer ihres Volkes verstehen, aber auch das einzige Heilmittel für denselben kennen. Je mehr sie die Schriften der Apostel durchforschten, desto gewisser wurde es ihnen, daß Jesus von Nazareth der von Mose und den Propheten erwartete wahre Messias ist, der der Welt neues Leben schenkt. Da der Eigentümer des Buches es um keinen Preis verkaufen wollte, machten sich die jungen Leute daran, es abzuschreiben. Schon waren sie bei Joh. (6, 4 angekommen, als einst spät in der Nacht ungefähr 50 fanatische