Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 9 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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A von Herzog Christian Albrecht von Holstein einen Freibrief erhielt und sich etwa *693 in Kiel niederließ. *866 hatte die Stadt 3$, *880 bereits 242 jüdische Einwohner. — Der Prozeß Buschhoff (D. E. *892, S. 7) fand am Juli dadurch seinen Abschluß^ daß der Angeklagte von den Geschworenen freigesprochen wurde. Einer der beiden Vertreter der Staatsanwaltschaft griff den Satz an: „wenn es sich um einen Juden handelt, bleibt die Sache unklar." vielmehr muß man, wie er hervorhob, von diesem Prozeß sagen: „weil die Sache unklar war, griff man zu einem Juden." Ihn konnte man unter dem Gesichtspunkt des Ritualmords verdächtigen. — Die „Real-Encyklopädie für Bibel und Talmud" von vr. I. Hamburger, Landesrabbiner in Strelitz (Mecklenburg), erscheint nunmehr in dritter Auflage und wird zur leichteren Anschaffung in Heften von zehn Bogen in Lexikonformat (ä 2 Mark) ausgegeben. Anmeldungen werden in jeder Buchhandlung, sowie vom Verfasser entgegengenommen. Das Werk, zugleich ein „Konversationslexikon des Judentums", hat 3000 Artikel aus der Geschichte, der Ethik, dem Kultus, der Dogmatik, der Rechts- und Staatslehre in Bibel und Talmud mit der Zwischen-, Neben- und Nachlileratur dieses Schrifttums. Die bedeutendsten Fachgelehrten sprachen sich über die Arbeiten in demselben sehr günstig aus. — Auf dem konservativen Parteitage zu Dresden äußerte sich der Reichstagsabg. Freiherr v. Friesen in zutreffender weise über die beiden antisemitischen Parteien in Deutschland: „Dadurch, daß sie dem Fremdling die Schuld an allem aufbürden, betäuben sie das volksgewissen. Sie kämpfen mit den Waffen des Haffes und Spottes und versuchen ihren Witz auch an Dingen, die jedem Christen heilig sind." — Am \8. Juni sandte Herzog Georg von Meiningen an den Landesrabbiner des Herzogtums eine telegraphische Antwort auf ein aus Anlaß einer Synagogenweihe zu Baurbach an ihn gerichtetes Huldignngstelegramm. Der Herzog versichert hier, daß die Israeliten Meiningens bei den versuchen, der Verirrung des Antisemitismus auch in M. Eingang zu verschaffen, auf ihn zählen können. — Der jüdische Oberrat in Baden veranlaßte die Rabbiner seines Aufsichtsgebietes gegen das Anlegen, der Gebetsriemen in Wartesälen, Eisenbahnwagen und überhaupt an öffentlichen Orten zu wirken. — Eine Versammlung von ungarischen Rabbinern orthodoxer Richtung trat gegen die Rezeption der jüdischen Religion auf, d. h. gegen die Absicht der Regierung, sie den übrigen Religionen gleichzustellen. Man behauptete, daß jener Schritt die gemischten Ehen begünstigen und dadurch dem Judentum schaden würde. — In Steinamanger (Ungarn), einer von den alten Römern angelegten Stadt, fand sich in einem Grabe eine Münze mit hebräischen Inschriften aus der Zeit des makkabäischen Hohenpriesters Simon (*42—132 v. Ehr.). Entweder war der Tote ein Jude, oder man verwandte die jüdische Münze bei einer römischen Leichenfeier als Obolus. Die Römer gaben ihren Toten allemal ein Geldstück für den Fährmann mit, der sie über den Styx, den Fluß in der Unterwelt, bringen sollte. — Eine zu Jspanlak (Siebenbürgen) aufgefundene Schiefertafel trägt die Unterschrift „Juciia.“ Über der Schrift ist ein langbärtiger Mann abgebildet, der unter einem Baum sitzt. Auch zeigt die Tafel den Schild Davids, einen Altar, auf dem das Opfer brennt, und sieben kreisförmig eingemeißelte Köpfe. — In Rußland bestimmte der „Heil. Synod," daß ein zum Christentum übertretender Jude mit Erlaubnis der Bischöfe sein Weib verlassen und eine neue Ehe eingehen dürfe, wenn dasselbe sich weigere, ebenfalls überzutreten. Die Regierung beschloß, die jüdischen privatschulen (Lheders) aufzuheben und an ihre Stelle staatliche Schulen treten zu lassen, an denen Lehrer für den mosaischen Religionsunterricht und die hebräische Sprache angestellt werden sollen. Sie genehmigte am 8. (20.) Mai den plan des Barons Hirsch, binnen 25 Jahren 3'/r Millionen Juden aus Rußland allmählich auswandern zu lassen. *892 sollen 25000 abziehen. In den nächsten Jahren wird die Zahl erhöht werden. Lin Centralausschuß der jüdischen Kolonisationsgesellschaft in Petersburg übernimmt die Hauptleitung dieses großartigen Unternehmens. — Aus Moskau, Charkow und andern Städten wurden neuerdings wieder viele Juden ausgewiesen. In Lodz kamen in der ersten Maiwoche Ausschreitungen des Pöbels gegen jüdische Einwohner vor. — Dr. Friedländer in London, Leiter einer jüdischen Lehranstalt, des „Jervs' College," macht als Verfasser einer Schrift über die jüdische. Religion von sich reden. — Der Oberrabbiner der vereinigten israelitischen Gemeinden des britischen Reiches, Dr. H. Adler, verfügte die Weglassung gewisser Sätze aus dem Gebetbuch und erregte dadurch unter