Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 9 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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72 den Altgläubigen großen Unwillen. Diese wünschen jetzt teilweise einen völligen Bruch mit den Modernen und die Anstellung eines eigenen Oberrabiners für ihre Partei. — Den Städten Liverpool und Manchester überwiesen die Erben des Herrn D. Lewis, eines vor 7 Jabren verstorbenen Israeliten, der in L. und M. große Kaufläden besaß, 200000 £ % Mill. JO. zum Besten der Arbeiter. An beiden Orten sollen hierfür billige und gesunde Arbeiterwohnungen errichtet werden. Der am 2. Juni zu Paris gestorbene Sekretär der Allg. Isr. Allianz, Isidor Loeb, war der erste Jude» dem die Madrider Akademie der Wissenschaften die Mitgliedschaft erteilte. — wje vielerorten, so äußert sich auch in Griechenland der Haß gegen die Juden. In Trikala bei Korinth wurde eine Anzahl reicher Israeliten von einer aufrührerischen Rotte geschädigt. — In Jerusalem entdeckte man die Gräber der Herodianer. Die Grabkammern sind in Felsen gehauen und mit römischem Mauerwerk versehen. Eine enthält zwei schöne Sarkophage aus Stein, von denen der kleinere reichen Schmsick aufweist. Der Fundort liegt im Westen vor der Stadt und ist im Besitz eines griechischen Klosters. — Im Mai trat zu den beiden schon vorhandenen jüdischen Lokalblättern in I. ein drittes, Beth Jakob, in jüdischdeutscher Sprache.hinzu. — Die Juden Kaliforniens stammen größtenteils aus Deutschland und Österreich. Sie nehmen als Besitzer großer Ländereien und als Beherrscher des Handels eine angesehene Stellung ein. In San Franzisko erheben sich prächtige Synagogen im schönsten Teil der Stadt. — Die jüdische Bevölkerung Surinams besteht größtenteils aus Nachkommen der *6^ aus Brasilien ausgewiesenen portugiesischen Juden. Die Holländer nahmen die Verbannten, die von David Nassy (Nasi) nach S. gebracht wurden, gastlich auf und siedelten sie am rechten Ufer des Surinamflusses bei der jo—*5 Stunden landeinwärts von Paramaribo entfernten ,,Iudensavanne" an. v?50 besaß diese jüdische Kolonie bereits ^5 Plantagen mit 9000 Sklaven. Später wurde die Savanne verlassen. Bei der Aufhebung der Sklaverei im Jahre M3 erwarben die Juden zahlreiche Plantagen in den verschiedenen Teilen des Landes für geringe Bezahlung, parzellierten dieselben und verpachteten die Parzellen an Neger. Auch Handel und Verwaltung sind gegenwärtig in ihren fänden, so daß von einem Reisenden (Prof. Ioest) Surinam als das einzige Land bezeichnet wird, das man mit gewissem Recht eine jüdische Kolonie nennen könne. *89^ suchte der holländische Gouverneur Lohmann den Einfluß der etwa 400 Seelen zählenden jüdischen Gemeinde einzuschränken, wurde aber zum Rücktritt genötigt. Ein Teil der Neger verübte hierbei Ausschreitungen gegen die Juden. Die Bessergesinnten wurden durch die Missionare der Brüdergemeinde, die an der Erziehung der Schwarzen treulich arbeiten, von der Beteiligung an den Unruhen ferngehalten. — Im Mai brach in einer argentinischen Kolonie des Barons pirsch, Mosisville, ein Aufstand aus. Der Verwalter, ein rumänischer Jude, mußte fliehen. Ein Polizist wurde getödtet. Endlich wurde Militär aufgeboten, um die Ordnung wieder herzustellen. Es kam dabei zu einem förmlichen Kampf mit den *500 Ansiedlern, und 30 von ihnen verloren das Leben. Auch die Kolonie Mauricio scheint keinen Bestand zu haben. ^37 russische Juden kehrten von dort nach Europa zurück. Nach ihren Berichten wurden sie von Soldaten bewacht und wie Sklaven behandelt. Wahre No esie. Wer sich mit der Welt des Aberglaubens näher beschäftigt, wird dein Urteil Goethe's, nach welchem der Aberglaube „die Poesie des Lebens" ist, schwerlich zustimmen können. Aber von der Welt des Glaubens dürfen wir rühmen, daß der Mensch in ihr wahre Poesie finde, d. h. schöpferisch wirkende, das Gemüt erhebende, den Geist bildende Kräfte. Diese veredelnden Kräfte gehen von einer Urkraft aus: von dem lebendigen, heiligen und gnädigen Gott, dem Vater unseres Herrn Jesu Christi. Die heilige Liebe Gottes wacht über den Menschenkindern, über ihres Lebens Anfang, Fortgang und Ausgang. Es liegt auf der Hand, daß der Gang durchs Lrdenthal durch diese Gewißheit zu einem freudenvollen gemacht wird. Auch die Leiden der Zeit können dem Gotteskinde die freudige Grundstimmung nicht rauben. Herausgeber: Prediger W. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße Kommissionsverlag der Buchhandlung der Goßner'schen Mission, Friedenau-Berlin. Ihm? düii X lOmbolff, iierlm, LljurlottensUutze 8H