Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1892-01-01 · 8 (1892) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
48 (1892)
Issue
8 (1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2554541-2554996-2555004--09171-2565301
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

62 Das Programm des Christentums. Die Schriften des schottischen Professors.Henry Drummond haben sich auch in Deutschland einen großen Leserkreis erworben und in verschiedener Einsicht anregend gewirkt. Sie zeichnen sich durch gefällige Form und gute, wenn auch nicht gerade tiefe Gedanken aus. Wie sinnig ist die in dem neuesten Büchlein unter dem obigen Titel gegebene Beleuchtung von Iesaia 6\, \—3.1 Drummond betont hier die im Christentum zu Tage tretende göttliche Weitherzigkeit, die nicht nur einzelne, sondern alle Menschen umfaßt und nicht nur ihr ewiges Heil, sondern auch ihr zeitliches Wohl sucht. Mit Recht erklärt er, daß als der Hauptzweck der Erscheinung Christi die Stiftung des Reiches Gottes auf Erden anzusehen ist. Ferres Programm sollte uns zu eifriger Mitarbeit in der Reichsgenossenschaft bewegen. Als Leute mil Sonnenstrahlen in den Augen sollten wir helfen, die Traurigen zum Frohlocken zu bringen. Wahre Menschenfreundlichkeit verrät Christi Geist. Der Verfasser unterläßt es nicht, Christum als den einzigen Retter hinzustellen, von dessen Areuz das Loswerden von der Sünde kommt. Aber diese Seite der christlichen Lehre wird zu wenig berücksichtigt. Drummonds Auseinandersetzungen können hin und wieder den Schein erwecken, als wären die Jünger des Heilandes, die Werkzeuge bei der Ausbreitung seines Reiches, Miterlöser. Der Geist des erhöhten Gottessohnes bewirkt die fortgehende Umgestaltung der Welt, wie einst sein auf Golgatha geopferter Leib den eigentlichen Grundstein zum Bau des Gottesreiches gelegt hat. Die unvergleichliche Mittlerstellung Christi darf in keiner Weise verdunkelt werden. Unsere Sache ist es, die Schätze dankbar anzunehmen, die er uns anbietet, und dann auch andere zu ihnen zu führen. ^)hm allein gebührt die Ehre. Er beseitigt den irdischen Sinn und macht das Herz neu und rein. Das ist die Weichenstellung, durch welche das Christentum arbeitet. So ganz unmerklich kann es auf seinen Schienenwegen aus der sumpfigen Niederung ins frische Bergthal nicht führen, vielmehr greift jene Änderung tief ein und ruft eine Umwälzung des Denkens, Fühlens und Wollens hervor. Tägliche Aeinigrmg. vor der Stiftshütte Israels stand das sogenannte eberne Meer, ein kupfernes Handfaß, welches auf einem Gestell von gleichem Metall ruhte. Ls war aus den metallenen Spiegeln der Frauen angefertigt, welche am Heiligtum dienten. Mit dem Master dieses Gefäßes mußten die Priester Hände und Füße waschen, ehe sie barfuß in das heilige einlreten durften. Diese Reinigung war täglich erforderlich, da ihr Beruf sie täglich in das Innere der Stiftshütte führte. An jedem Morgen wurde an dem Altar, welcher im heiligen stand, mit einein feinen, aus wohl« riechenden Warzen bereiteten Räucherwerk geräuchert. An jedem Abend wurden die Lampen des goldeuen Leuchters, der seineil Platz neben dem Altar hatte, mit reinem Olivenöl gefüllt. Der neue Bund hat den besonderen Priesterstand des alten aufgehoben. Alle Jünger des Weltheilandes sollen ein Priestervolk bilden und täglich Gott durch Iesum Christum geistliche Opfer darbringen. Um aber vor der höchsten Majestät erscheinen zu können, bedürfen sie ebenso wie die israelitischen Priester einer täglichen Reinigung, nicht nur einer leiblichen, sondern einer geistlichen, wie man

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.