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Dibre Emeth · 1892-01-01 · 8 (1892) · page 5

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Journal
Dibre Emeth
Volume
48 (1892)
Issue
8 (1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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6\ stammenden kabbalistischen Erklärung von Sprüche 30, s8 f. aufgetreten war, nach welcher „nichtjüdisches Iungfrauenblut ein heiliges Opfer" fein soll, schrieb der Mann, der vor andern imstande war, sein Urteil in die Wagschale zu legen, Professor Delitzsch: „Weil ich . . als ein Christ falsche Zeugnisse nach dem Worte meines k)errn, Matth. s5, $, demjenigen beizähle, was den Menschen vor Gott, dem heiligen und Wahrhaftigen, verunreinigt,,, so erkläre ich hiermit vor aller Welt, daß jene Übersetzung keine Übersetzung, sondern ein Machwerk infernaler Lüge ist." Angesichts der Unmöglichkeit, aus den schriftlichen Denkmälern Zeugnisse für den rituellen Mord, das Menschenopfer, zu gewinnen, ziehen manche Judenfeinde sich auf eine angebliche mündliche Überlieferung über denselben zurück (vgl. „D. E." s889, S. 39). Den Beweis dafür, daß es eine solche gebe, und daß sie namentlich die Tötung christlicher Anaben und Mädchen als ein Gott wohlgefälliges Werk ansehe, bleibt man jedoch schuldig. Den Gegenbeweis giebt u. a. eine i. I. j[8^0 von l3r. Alexander M'Taul, dem Verfasser der „Alten Pfade", veröffentlichte, von 38 Iudenchristen unterschriebene Aundgebung des Inhalts, daß dieselben von einem unter den Juden bestehenden Brauch, Christen zu töten oder Christenblut zu benutzen, nie etwas erfahren hätten, obwohl sie im Glauben und Ritus des Judentums aufgewachsen seien. Seit der Regierungszeit von Philipp II.. August von Frankreich (H80—\223), bet die Juden auch deshalb aus seinem Lande verbannte, „weil sie jährlich in der Aarwoche einen Christen ermordeten", hat blinder wieder und wieder, bis in die neueste Zeit, dieselbe Beschuldigung gegen die Juden vorgebracht. Die Christen des 2. und 3. Jahrhunderts wurden von ihren heidnischen Zeitgenossen angeklagt, daß sie Ainder schlachteten und äßen. Die Juden des \2. und der folgenden Jahrhunderte wurden von Christen, die doch das Alte Testament zu ihren eigenen heiligen Schriften zählten, desselben Frevels für fähig gehalten. Und noch immer ist bei vielen die Verblendung so groß, daß alle Hinweise auf die alttestamentlichen Verbote des Menschenopfers, des Blutgenusses, der Berührung von Toten ebensowenig fruchten wie die Nachweise dafür, daß das nachbiblische Judentum diesen Boden nicht verlassen hat. Theologische Fakultäten und einzelne Gelehrte in Deutschland und andern Ländern haben diese Frage erschöpfend beantwortet, und doch ist sie noch nicht abgethan. Wer der Wahrheit die Ehre geben will, darf daher nicht müde werden, immer wieder seine Stimme gegen jene Anklage zu erheben. Mögen viele Juden im Mittelalter ihre eigenen Ainder getötet haben, um sie vor der Zwangstaufe zu bewahren, mögen einzelne durch Rachsucht oder durch Aberglauben verleitet worden sein, Christenkinder zu ermorden: ein durch Religionsgesetze geheiligtes Menschenopfer, einen rituellen Mord, kennt die Geschichte Israels nicht.

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