Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 8 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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68 nach so langer Zeit wiederzusehen, war rührend. „Aennst Du diesen Herrn noch?" wurde immer gefragt, wenn ein neuer hinzukanr. „Ja wohl," hieß es dann, „recht gut." Dinge, die aus meinen: Gedächtnis längst verschwunden waren, wußten sie anzuführen, z. B. daß ich mit dem damaligen Lehrer in dem Hause des einen Juden eine zweistündige Unterredung gehabt hätte. Sie sagten auch, sie hätten sehr oft von mir gesprochen und gefragt, was ich wohl mache, und wo ich wohl fei. Sie wunderten und freuten sich über dies Wiedersehen nach so vielen Jahren, und ich knüpfte daran ein Wort an über die Freude des Wiedersehens in jener Welt durch den einen Weg, der uns vorgezeichnet ist, den Messias. Dringend wurde ich eingeladen, zu Abend mit ihnen zu essen. <£s saßen mit mir sieben zu Tische. Der alte, ehrwürdige Jude, neben welchem ich mich obenan setzen mußte, sprach die Berache (den Segen). Darauf brach er ein Stückchen Brot ab, tauchte es in Salz und aß es. Dann bekam ein jeder, auch ich, ein Stückchen Brot, in Salz getaucht, zu essen, worauf die Mahlzeit folgte. Ich sagte zu dem Alten, es sei mein herzlichster Wunsch und Gebet, daß wir alle wieder Zusammenkommen möchten und zu Tische sitzen mit Abraham, Isaak und Jakob in der Malchuth Haschschamajim (im Himmelreich), worauf er erwiderte: „Amen!" Bei Tisch und nachher hatte ich noch angenehme Gespräche mit den Tischgenossen und den Hinzugekommenen, und beim Weggehen wurde ich eingeladen, heute mit ihnen zu Mittag zu essen. Diese Aufnahme und dieser Eingang bei den Juden hat mich bestimmt, hier etwas länger zu bleiben, als ich anfangs beabsichtigte. Wo der HErr einen Weg bereitet, muß der Anecht darauf gehen und nicht gleich wieder Seitenwege einschlagen. Hier ist es dieser Tage sehr heiß, aber der Umgang mit den Juden gewährt mir Labung und Erfrischung. E., den 25. Juni J860. — Ich habe es gefühlt, daß für mich gebetet wurde, als ich auf der Aanzel stand. Der HLrr gab Gnade zur Predigt, wobei auch ein Jude wenigstens gegenwärtig war. Ich besuchte ihn gestern nachmittag und mußte bis spät abends bei ihm bleiben. Er hatte die predigt über das zwiefache Aommen des HErrn nach Hebr. 9, 27 f. gut aufgefaßt. Ls ist hier eine große, und ich hoffe, wohlthätige Aufregung unter den Juden entstanden, hauptsächlich durch eine Rede, welche der jüdische Lehrer, den ich vorher besucht hatte, an: Sonnabendmorgen in der Synagoge gegen mich hielt. Als ich aber auftrat und eine Gegenrede halten wollte, lief der Lehrer weg und ich kam nun mit der ganzen Gemeinde ins Gespräch, zuerst in der Synagoge, dann auf dem Hof vor derselben, später mit einzelnen auf der Straße. Die Aufregung ist groß. Einige Juden stimmen dem Lehrer bei, andere sind unzufrieden über seine Rede. Die Gelegenheit will ich heute noch benutzen und namentlich dem Lehrer noch einmal zu Leibe gehen. Br., den 27. Mai — Der HErr hat unsere Arbeit reichlich gesegnet. Sehr viel Interesse für Israel ist unter den Lhristen geweckt worden, und auch ein Verein für Israel kam in den letzten Tagen zu stände, um zu beten und zu wirken für das alte Bundesvolk. Den