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Dibre Emeth · 1892-01-01 · 7 (1892) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
48 (1892)
Issue
7 (1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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55 Zu Römer 12, IG b. Lin Israelit in Kopenhagen kam einst zu einem dortigen Prediger mit dem dringenden Wunsch, ein Lhrist zu werden. Nach längerer Unterredung und genauer Prüfung faßte der Geistliche den Entschluß, demselben den nötigen Unterricht in der christlichen Religion zu erteilen. Lr ließ ihn öfter zu sich kommen, fand aber bei näherer Bekanntschaft, daß der Mann nicht lesen konnte. Da die Zeit des Pastors es nicht erlaubte, ihm auch darin Unterricht zu erteilen, so schickte er ihn zu einem alten christlichen Schneider, von welchem er wußte, daß er bei ihm gut aufgehoben sein würde. Der Alte lehrte nun den Mann lesen, betete mit ihm, führte ihn in die Bibel ein und suchte ihn in Einfalt und Herzensdemut mit den Heilswahrheiten des christlichen Glaubens bekannt zu machen. Außerdem aber mußte der Jude oft zum Prediger gehen. Nach Verlauf einer geraumen Zeit glaubte der Pastor, daß der Jude nun Erkenntnis genug besitze. Daher fragte er ihn, ob er schon an Taufzeugen gedacht hätte? „Ja", war die Antwort. „Zuerst will ich zum König gehen." Da sagte der Prediger: „Sie können noch nicht getauft werden." Der Jude mußte es sich gefallen lassen, daß die Taufe noch anfgeschoben und er noch ferner unterrichtet wurde. Der Pastor, der sich die Mühe des Unterrichtens nicht verdrießen ließ, sagte nichts mehr von der Taufe. Endlich aber erklärte der Schüler eines Tages: „Jetzt habe ich einen Gevatter, nämlich meinen alten Schneider. Für weitere aber muß der Herr Pastor Sorge tragen." Dieser war denn auch damit zufrieden, und sehr bald konnte nun der zur Erkenntnis der Wahrheit gekommene Israelit von dem Prediger getauft werden. Auf die Frage, warum er nicht schon früher Ehrist geworden sei, da er doch schon lange den Wunsch gehegt habe, antwortete er: „Meine Mutter war stets dagegen und wollte, wenn es geschähe, den Fluch über mich aussxrechen. Das konnte ich nicht ertragen. Nun aber ist sie gestorben, und ich denke, dort oben wird sie nicht mehr den Fluch über mich aussprechen und alles in einem helleren Lichte sehen." Zason von Kyrene. Am 4. November 4391 feierte in Greifswald Professor Dr. Zoeckler sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Die theologische Fakultät überreichte dem Jubilar als Ehrengabe eine von Professor Schlatter verfaßte Festschrift: „Jason von Kyrene. Ein Beitrag zu seiner Wiederherstellung." (München, E. Beck'sche Verlagsbuchhandlung.) Es wird den Lesern der „D. E." nicht unlieb sein, etwas von diesem wenig bekannten jüdischen Schriftsteller zu hören. Jason von Kyrene ist der 2. Makkabäer 2, 2<* ff. erwähnte Geschichtsschreiber der griechischen Juden, der in 5 Büchern die Ereignisse in Jerusalem während des 2. Jahrhunderts v. Ehr. erzählt hat. Leider ist sein Werk, welches uns in die damaligen Verhältnisse einen genauen Einblick gestatten würde, nicht mehr vollständig erhalten. Nur kurze Auszüge sind noch in unfern Händen. Aufgrund der letzteren sucht nun der Verfasser obiger Schrift das Werk Jasons wiederherzustellen. Außer einigen Stücken bei Josephus liegt uns im 2. Makkabäerbuch zunächst ein Stück aus Jason vor. Aber es hat, wie in der Schlatterschen Schrift nachgewiesen wird, nicht nur das 2. Makkabäerbuch aus Jason.,geschöpft, sondern auch das \. Makkabäerbuch ist auf ihn znrückzuführen und als Übersetzung einer hebräischen Bearbeitung des Jason aufzufaffen. Im Buch steht das hohepriestertum im Mittelpunkt, und es wird besonders hervorgehoben, worauf das gute Recht der hasmonäer ruht, und welche Bedeutung das neue priesterliche Fürstentum für Jerusalem hat. Im 2. Buch wird das angeführt, was die religiöse Empfindung unmittelbar anregt und zur Stärkung des jüdischen Bewußtseins dient. Jasons Darstellung war in allen Einzelheiten genau; es fand sich bei ihm „eine Flut von Zahlen" und „eine Menge von Stoff." Er kannte, obwohl er aus Kyrene stammte, die Verhältnisse in Jerusalem aus eigner Anschauung. Als Grieche und Jude verstand er die Ereignisse im Zusammenhang der Geschichte. Lr zeigt uns, in wiefern das..Griechentum auf die Juden günstig eingewirkt hat. Lr hat aber auch eine feste Überzeugung von der Gültigkeit des Gesetzes und betont, daß der Sieg der Makkabäer gebunden ist an ihre Gesetzestreue. Der Zeitpunkt, mit dem Jason sein Geschichtswerk begann, liegt früher, als es nach den Auszügen scheinen könnte, indem er die wirren in Judäa nicht erst mit Antiochus Lpiphanes beginnen läßt, sondern auch die dieselben bedingenden Ereig-

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