Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 7 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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53 _ 1809 (8) wurde die Londoner Gesellschaft gegründet, und langsam folgten ihr andere. Und doch sind wir ein christliches Volk, dessen Pflicht es ist, das Evangelium unter allen Areaturen auszubreiten. Es ist hochnötig, die Lache der Iudenmifsion nach „ihren verschiedenen Leiten hin sorgfältig zu erwägen. Die Zahl der Übertritte giebt nicht den richtigen Maßstab zu ihrer Beurteilung. Erschwert wird sie teils durch die Unnahbarkeit der reichen Juden, teils durch die socialistischen und anarchistischen Bestrebungen eines Teils der armen, aber auch durch die große Ausdehnung des Missionsgebietes und die früheren Verfolgungen. In Deutschland erhob man einst einen Brückenzoll von Juden und Tieren. In Italien mußten die Juden einen gelben f)ut und einen gelben Gürtel tragen. Frankreich verbannte sie siebenmal und rief sie ihres Geldes wegen ebenso oft zurück. Ist es verwunderlich, wenn sie nicht glauben wollen, daß die Liebe zu Gott im Herzen eines Thristen wohnt? Helfen wir mit Gebet und Gaben, daß Gottes Volk wieder gesammelt werde! Dr. Tristram, Domherr in Durham, erklärte, die Geschichte Israels sei einzigartig und verstoße gegen das Naturgesetz, nach welchem jedes Wesen sich allmählich verändere, wenn es unter andere Lebensbedingungen gestellt werde. Daß der Jude ein guter Landmann sein kann, hat Tr. bei seinen Reisen durch Rußland beobachtet. Im Osten sind die dortigen erstorbenen Airchen ein großes Hindernis der Bekehrung Israels. Dies Volk haßt immer noch den Götzendienst. Besonders empfänglich sind die Jeminiten Arabiens und die schwarzen Juden der 7 Oasen der Lahara, denen der Redner einmal einen Besuch abgestattet hat. Vr. Dalman aus Leipzig knüpfte an ein Wort von Delitzsch an: „Englisch ist die Sprache der Iudenmission." Von ^00 Missionsarbeitern werden 350 von englisch redenden Gesellschaften, darunter \50 von der Londoner, ausgesandt. Die Geschichte der deutschen Vereine läßt die Einwirkung der letzteren erkennen. Als der Rationalisnius die alte Hallesche Mission weggefegt hatte, weckte ein erfrischender Westwind die Liebe zu Israel wieder auf. Die deutsche Iudenmission schuldet dem englischen Volk und besonders dieser Gesellschaft aufrichtigen Dank. Am Iahresfest wirft man mit den Leuten von Le'lr die Frage auf, die Jes. 2{, \J( geschrieben steht. Wie verhalten sich die Juden zu Thristo? In den ersten zehn Jahrhunderten wußte man von ihm nur wenig zu sagen. Der Talmud enthält Lügen über seine Abstammung, seine Wunder, seinen Einfluß auf das Volk und seinen Tod. Im Mittelalter griff man die kirchlichen Lehren von der Menschwerdung und der Dreieinigkeit mit Vernunftgründen an. Die alten jüdischen Philosophen haben große Ähnlichkeit mit den neueren Rationalisten. In der Zeit, die auf die Reformation folgte, nahmen manche Juden den Messias an, als er in hebräischem Gewände, in dem zuerst von der Londoner Gesellschaft ihnen dargebotenen Neuen Testamente, zu ihnen kam. Aber die Masse kreuzigte ihn aufs neue, obwohl jüdische Geschichtsschreiber Israel von der auf dem Volk ruhenden Blutschuld zu entlasten suchten, und obwohl