Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 5 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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38 ergreift das Messer, daß er seinen Sohn schlachte. Da erscheint ein himmlischer Bote und ruft ihm zu: „Lege deine Hand nicht an den Knaben und thue ihm nichts I Denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest und hast deines einigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen." Ein Midder, der mit seinen Körnern in einer nahen Hecke hängen geblieben ist, wird nun als Brandopfer anstelle Isaaks geopfert. Diese Geschichte ist nahe verwandt mit der griechischen Sage von Iphigenie, der Tochter des Agamemnon und der Klytämnestra. Weil dieser König einen der Artemis geweihten Hirsch auf der Jagd erlegt hat, hält die zürnende Göttin die in Aulis versammelte Griechensiotte, welche unter Agamemnons Leitung nach Troja fahren soll, durch Windstille zurück. Dem Ausspruch eines Sehers zufolge kann nur die Opferung der Tochter des königlichen Heerführers den begangenen Frevel sühnen. So wird denn die Jungfrau der Mutter entführt und ihre Schlachtung vorbereitet. Schon schwebt das Opfermesser des Priesters am Altar der Artemis über ihrem Haupte, während der Vater und seine Begleiter die Blicke abwenden. Da greift, von Mitleid erfaßt, die Göttin ein, versetzt Iphigenie nach Tauris und läßt eine Hirschkuh an ihre Stelle treten. Kehren wir zu {. Mose 22 zurück I Es giebt Leute, die zwar an der Geschichtlichkeit jenes Abschnitts nicht zweifeln, ihn aber nicht ganz buchstäblich verstehen wollen. Sie meinen, der Ursprung des Gedankens, Isaak zu opfern, sei in Abraham selber zu suchen, da Gott nichts gebiete, was in sich unsittlich sei. Der heidnische Wahn von der Heilsamkeit des Menschenopfers fei für Abraham eine Anfechtung gewesen. Gott habe ihn nun durch eine außerordentliche Offenbarung für immer beseitigen wollen. Allein der richtige Begriff der göttlichen Versuchung entkräftet jenes Bedenken. Nach 5. Mose so, % will der göttliche Erzieher Israels sein Volk durch falsche Propheten versuchen. Vgl. das Buch Hiob und Ioh. 6, 5 f. Andere weisen nach dem Vorgang des Philosophen Schelling auf den Wechsel der Gottesnamen in dieser Geschichte hin. Elohim (Gott) versucht zum Menschenopfer: Jehova (der Herr) billigt, ja, verlangt die zur Hingabe des Liebsten willige Gesinnung, gebietet aber ein Tier an des Menschen Stelle zu setzen, wodurch jedes Menschenopfer vom Iehovadienst ausgeschlossen wird. Aber mit dieser Unterscheidung wird nichts erreicht, wie die Vergleichung von Vs. st mit Vs. (2 zeigt. Vielmehr ist dem Urteil eines bekannten Theologen zuzustimmen, nach welchem durch das Gebot Vs. 2 die Wahrheit des Bewußtseins zur Anerkennung gebracht werden soll, daß das Menschenleben als ein unheiliges geopfert werden muß, während durch das Verbot Vs. \2 die Entstellung dieser Wahrheit im Heidentum gerichtet und zurückgewiesen wird. In der mosaischen Zeit kommen nur Tieropfer als blutige Opfer vor. Die erstgeborenen Söhne des Volkes werden als Stellvertreter für alle nachfolgenden Geschwister nach 2. Mose s3, 30 und 5% 20 durch Entrichtung von 3 Sekeln gelöst, d. h. aus dem besonderen Abhängigkeitsverhältnis entlassen, in dem sie zu Gott stehen, sofern