Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 5 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2554541-2554996-2555001--09143-2565270- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
37 Verbrecher zu diesem Zweck verwandt. Besonders geschah dies in Notzeiten oder bei größeren jährlichen Festen. Die alten Dänen schlachteten bei solchen Festen 99 Pferde und ebensoviele Hunde, Hähne, Habichte und Menschen, die Schweden 63 Tiere und 9 Menschen. Lin französischer Bischof, Wulfram mit Namen, der zur Zeit des Friesenkönigs Radbod (um 700 n. Lhr.) lebte, soll viele Unglückliche, die zu Götzenopfern bestimmt waren, von diesem Tode gerettet haben. Als Winfried-Bonifatius die heilige Eiche bei Geismar fällte, da wurde auch dem Greuel des Menschenopfers in Deutschland die Axt an die Wurzel gelegt. Gehen wir noch weiter zurück! Im alten Rom erzählte man sich von einer Rluft, die in der Stadt am Tiberufer als ein Zeichen des Mißfallens der himmlischen Mächte plötzlich entstanden sei und zu ihrer Ausfüllung des freiwilligen Todes eines edeln Ritters bedurft habe. Auch bei den alten Griechen hielt man dafür, daß die Religion unter Umständen das Menschenopfer fordere. Nach pausanias brachte eine böotische Stadt dem Dionysos wegen eines Priestermordes alljährlich einen Rnaben zum Opfer. Die Mafsilienfer, die Bewohner der griechischen Psianzstadt Marseilles, opferten dem Neptun einen Armen, um von der Pest verschont zu bleiben. Die Phönizier, diese gewandten Raufleute, Rechner und Erfinder, brachten ihrer vornehmsten Gottheit, dem Sonnengotts Baal, allerlei Menschenopfer dar. Der Rriegsgöttin Astarte zu Ehren verbrannte man Frauen, während Moloch Rinder als Brandopfer erhielt. Daß die Moabiter das Menschenopfer kannten, erfahren wir aus 2. Rön. 3, 27. Als ihr Rönig Mesa um 896 v. Ehr. von dem israelitischen Röntge Ioram in Rir Hareseth belagert wurde, nahm er seinen ersten Sohn, der an seiner Statt Rönig werden sollte, und opferte ihn auf der Mauer dem Ramos zum Brandopfer. Bis an die Pforten des Mosaismus hat uns der flüchtige Rückblick auf die Geschichte des Menschenopfers geführt. Dürfen wir auch das Volk des alten Bundes für diese Geschichte in Anspruch nehmen? — Lassen wir einfach die Thatsachen reden! Wir nehmen zuerst Israels heilige Schriften in die Hand. In die vormosaische Zeit fällt die Erzählung von der dem Stammvater Abraham durch Gott befohlenen, aber dann verhinderten Aufopferung Isaaks, {. Mose 22. „Nimm Isaak, deinen einigen Sohn, den du lieb hast, und gehe hin in das Land Morija und opfere ihn daselbst zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde." So lautete die Weisung Gottes. Am dritten Reisetage erreichen Vater und Sohn die ihnen bezeichnet« Stätte. Der Rnabe trägt das Holz, Abraham das Feuer (den Feuerstein) und das Messer auf den Berg hinauf. Oben baut der Greis einen (steinernen) Altar und bedeckt ihn mit dem mitgebrachten Holz. Auf dieses legt er hierauf seinen Sohn, nachdem er ihn gebunden hat. Der schreckliche Augenblick ist gekommen. Im G.horsam gegen das göttliche Gebot zögert der Vater nicht länger, obgleich ihm das Herz dabei bricht. Er reckt seine Hand aus und