Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1892-01-01 · 5 (1892) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
48 (1892)
Issue
5 (1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554996-2555001--09140-2565267
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

3* untersuchen, ob eine Mission in Polen eröffnet werden könne. Beide gingen zuerst nach Amsterdam. Da verließ ihn Salomon, und M'Laul setzte deshalb sogleich, die angefangene Arbeit in Amsterdam unterbrechend, die Reise nach Warschau fort. Dort angekommen, fing er sofort an, die regste Missionsthätigkeit zu entfalten. Die Juden hörten, daß er Traktate verbreite, und stürmten förmlich auf ihn ein, um solche und Neue Testamente zu erlangen. Sein erstes Gespräch, das er mit einem Juden hatte, beschreibt er selbst: „Ich disputierte nicht mit ihm, sondern bewies ihm aus dem Alten Testament, -aß er ein Sünder sei, der unter Gottes Fluch stehe, und daß er eine Wiedergeburt nötig habe. Diese Lehre setzte ihn in Erstaunen, zugleich aber wollte er wissen, wie er denn ein neues Herz erlangen könne. Das zeigte ich ihm aus dem Neuen Testament und wies ihm nach, daß Jesus Lhristus der einzige Erlöser vom Fluche des Gesetzes sei. Das Ergebnis war, daß er sich das einzige jüdisch-deutsche Neue Testament borgte, welches wir bei uns hatten . . ." Der Mut und die Begeisterung, mit welchem er das Missionswerk in Warschau angriff, haben viel dazu beigetragen, daß die Londoner Gesellschaft die Arbeit in polen sofort mit großem Nachdruck betrieb. Seine eigene Arbeit war keine leichte. Sechs Wochen lang hat er oft in Pferdeställen schlafen müssen, und als Aopfkiffen diente ihm sein Reisesack. Dazu die schlechten Wege auf der Fahrt. Die Wirtshäuser, welche sich fast ausschließlich in den Händen der Juden befanden, waren die traurigsten Unterkunftsstätten, und an den Sonnabenden war daselbst nichts - zu erlangen. So mußten er und Missionar Becker sich Aartoffeln im Garten ausgraben und nebst etwas Bienenhonig verzehren. Brot und Salz waren nicht zu finden. Nach einem Jahre aufreibendster Arbeit kehrte er nach London zurück, um dort die Ordination zu empfangen. Er arbeitete darauf 9 Jahre in Polen, Berlin und Breslau. Sichtlicher Erfolg begleitete alle seine Unternehmungen. Zugleich vermehrte er seine Aenntnisse im Hebräischen und in der jüdischen Aontroverse. Der nachmalige Bischof Alexander war ganz erstaunt, als er ihn die Juden in Warschau fließend hebräisch anreden hörte. Das Alte und Neue Testament übersetzte er für dieselben in das Jüdisch-Deutsche. 1(850 kehrte er nach England zurück und revidierte hier für die Gesellschaft die hebräische Übersetzung des Neuen Testamentes. Von (852—55 nahm er hervorragendsten Anteil an den Aldermanbury- Aonferenzen. Als dieselben geschlossen wurden, ließ er seine Vorträge in erweiterter Gestalt unter dem Titel „OM Paths“ oder „Netliibhotli Olam“ oder „Der wahre Israelit" (856 erscheinen. Das Werk stellt Vergleiche zwischen modernem (talmudischem) Judentum und der Religion Moses und der Propheten an. So kommt hier das Judentum in seiner rabbinischen Gestalt, in seinen Lehren, Gebeten und Gesetzen zur Erscheinung: nirgends in dem gehässigen Geiste Eisenmengers, wohl aber in jenem hohen Ernst, welcher den Juden ihren Abfall von der Wahrheit der Schrift und den ungöttlichen Geist, in den das talmudische Judentum versunken ist, zum Bewußtsein bringen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.