Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 4 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 bau und der Viehzucht ob. Für ihre verhältnismäßige Wohlhabenheit spricht auch, daß die steil abfallenden Straßen der Stadt größtenteils gepflastert, ja, sogar mit Rinnen versehen sind. Zur Regenzeit fließen daher die Bergwasser schnell ab. Während meines Rittes nach Haifa, bei dem ich zum erstenmal auf einem arabischen Sattel saß, wurde ich manchmal veranlaßt zu wünschen, daß dieselbe Fürsorge, die den Straßen Nazareths zu teil geworden ist, dem von hier ans Meer führenden Wege widerfahren wäre. War der letztere auch viel besser als mancher andere,,, bis dahin von mir zurückgelegte Weg, so machten sich doch große Übelstände bemerkbar. Weil zu wenig für Abzugsgräben geschehen war, hatten die letzten regnerischen Wochen schlimme Verheerungen angerichtet. Stellenweise war die Straße von der Gewalt des Wassers ganz zerrissen und nötigte uns zu weiten Umwegen. Wie am 8. März zwischen dem Tabor und dem Hermon, denen ich beim Verlassen Nazareths den letzten Gruß zuwinken konnte, so kamen wir während des (6. März oft in Gefahr, in einem Morast zu versinken, besonders als wir hinter dem Dorf Samunlje in den nordwestlichen Teil der Gbene Jesreel gelangt waren. Jenseits einer Anhöhe, die mit zahlreichen, im frischen Laubschmuck des Frühlings prangenden Bäumen bewachsen war, erreichten wir den hoch angeschwollenen, schnell fließenden Bach Aison (Nähr El-Mukatta). Eine Brücke, die früher über das Wasser führte, war zerstört. Mein Mukari mußte daher nach einer Furt suchen, auf welcher wir das andere Ufer und damit den östlichen Abhang des langgestreckten, bewaldeten Rarmels erreichen konnten. Drüben erblickten wir eine aus drei, wie sich nachher herausstellte, italienischen Herren bestehende Reisegesellschaft, die sich unter Bäumen gelagert hatte. Ihre Diener kamen uns freundlich zu Hilfe, indem sie uns zeigten, wie wir durch das reißende Wasser am besten hindurchkommen würden. Die Sache sah bedenklich genug aus. Aber wir kamen Gott sei Dank glücklich hinüber und konnten nun auch uns selber und unseren braven Tieren eine Ruhepause gewähren. Sie war um so nötiger, als es auch nachher noch verschiedene Schwierigkeiten zu überwinden gab. Gegen Uhr ritten wir in das Thor von Haifa oder Aaifa, dem alten Sycaminum, ein. Die Stadt soll 7000 Einwohner zählen. Sie hat mehrere christliche Rirchen und zwei Moscheeen, auch einen lebhaften Bazar. Ich begab mich sofort in die im Norden an sie angrenzende, J868 gegründete Templerkolonie, um einer dort wohnenden württembergischen Familie einen Gruß aus Jerusalem zu überbringen. Nach kurzem Aufenthalt in ihrem Hause, in welchem mein Gepäck zurückblieb, setzte ich mich wieder zu Pferde und ließ mich von meinem Mukari zu dem am Nordwestende des Aarmels, \80 m über dem Meere liegenden Aloster des im (2. Jahrhundert entstandenen Aarmeliterordens führen. Schon um <\'/i Uhr waren wir oben. Eine großartige Aussicht belohnte alle Anstrengungen. Weit hinaus schweifte das Auge über das blaue Meer. Zur Rechten hatte ich die halbmondförmige Bucht, an deren Südwestecke Haifa liegt, während sich