Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 4 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 station, auswärtige Plätze bedient und so auch in der Umgebung die Strahlen des himmlischen Lichtes verbreitet. Eine ganz eigenartige kirchliche Feier war dem Nachmittage dieses Sonntags Vorbehalten: ein deutsch-evangelischer Gottesdienst inmitten von Angehörigen der württembergischen Templerkolonie. Die letztere, mit der ich schon in Jaffa und Jerusalem in Berührung gekommen war, ist in Nazareth durch zwei Familien vertreten. Das Haupt der einen ist jener Schreiner, bei dem ich zur Herberge war, das der andern ein aus Rußland gebürtiger, aber von deutschen Eltern abstammender und mit einer Württembergerin verheirateter Müller. Die beiden Familien versammeln sich allsonntäglich abwechselnd in ihren Däusern zu einer Andacht, bei welcher meistens eine deutsche predigt vorgelesen wird. Mit Freuden entsprach ich ihrem Wunsche und übernahm die Leitung des Gottesdienstes, welcher diesmal im Haufe des Müllers stattfand. Von wem aber hätte ich in Nazareth reden können als von dem Nazarener, der unsere Hoffnung im Leben und im Sterben ist? Im Anschluß an das Sonntagsevangelium Ioh. 8, ^6—59 schilderte ich seine Erhabenheit, wie sie sich in der dort gelehrten dreifachen Unabhängigkeit äußert. Welch' ein scbweres Gericht muß die treffen, welche dem sündlosen Lehrer der Wahrheit keinen Glauben schenken, dem satanslosen Diener des himmlischen Vaters Scheltworte entgegenschleudern, dem zeitlosen Herrn der Häupter Israels den Untergang zu bereiten suchen! Der Schluß des Evangeliums gab mir Veranlassung, des heiles zu gedenken, welches nach Gottes weisem Rat aus der endlichen Ausführung der Mordpläne eines Teils von Jesu Zeitgenossen erwachsen ist. Mit Benutzung von Ap -G. 8, 3^ f. sprach ich über die Sühnung und Versöhnung, die wir durch den Tod des Sohnes Gottes erlangen können. Obwohl ich geflissentlich gerade diejenigen Stücke der biblischen kehre von Ehristo, die von den Templern angegriffen werden, in ihrer hohen Bedeutung hervorgehoben hatte, erfolgte nach Beendigung des Gottesdienstes kein Widerspruch, hoffentlich kommen unsere lieben Landsleute in Nazareth immer mehr von den Irrtümern ihrer Sekte ab und zu der lauteren göttlichen Wahrheit zurück. Einer der Männer, die mit ihren Frauen und Rindern meine Zuhörerschaft gebildet hatten, begleitete mich bei einem Gang durch die Gärten und Äcker, welche die Nazareth im Nordwesten umgebenden höhen bedecken. Doch wurde er bald von dem andern abgelöst. Wir besuchten zusammen das von einer englischen Gesellschaft für die Hebung des weiblichen Geschlechts im Morgenlände gegründete, durch Schönheit der tage und der inneren Einrichtung hervorragende Mädchenwaisenhaus. Line Lehrerin führte uns in der Anstalt umher, die in den J5 Jahren ihres Bestehens gewiß schon viel Gutes gestiftet hat. Vor dem Abendessen, zu welchem die 80 Zöglinge durch eine Glocke zusammengerufen wurden, erfreute uns die dunkelfarbige Rinderschar mit dem Gesänge geistlicher Lieder, hierauf nahmen wir die griechische Gabrielskirche in Augenschein und tranken aus der unter ihrem Altar fließenden Quelle. Unfern von der Rirche liegt