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Dibre Emeth · 1892-01-01 · 3 (1892) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
48 (1892)
Issue
3 (1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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22 An EI-Meschhed, 6em früheren Gath hepher, wo der Prophet Jona zu Hause war, vorbeireitend, steuerten wir auf das sehr anmutig liegende Er-Rene zu. Die Straße hatte stellenweise das Aussehen eines tiefen Sumpfes und gestattete dann nur ein langsames Fortkommen. Endlich erreichten wir die höhe, von welcher wir die heimatsstadt unseres Herrn, Nazareth, erblickten. Von der Abendsonne beleuchtet, breitete sie sich an den Abhängen des Bergrückens und in dem von dem letzteren begrenzten Thale weithin aus. Sei mir gegrüßt, du heiliger Ort, in welchem der „Nezer", der Sproß aus dem Wurzelstock Ifais (Ief. aufgeblüht ist, in welchem der mit dem reichsten Maß des göttlichen Geistes Gesalbte und Salbende in stiller Verborgenheit 3 Jahrzehnte geweilt hat! Um seinetwegen nehme ich das Scheltwort, mit dem die Jünger des falschen Propheten die des wahren verfolgen, freudig auf mich. Ja, mit Stolz nenne auch ich mich einen Nazarener. Meine Freunde blieben in dem Hause eines in schottischem Missionsdienst stehenden, aus Armenien stammenden Arztes zurück, welches im nördlichen Teil der Stadt liegt. Ich ritt durch dieselbe hin nach der entgegengesetzten Seite, wobei ich mich an dem den Sonntag ankündigenden Glockengeläute erquickte. Nicht weit vom Franziskanerkloster zweigt sich die Straße nach Haifa ab. An derselben wohnt ein deutscher Handwerker, ein Schreiner, der ein kleines Gasthaus eingerichtet hat. hier kehrte ich ein. XX. Km Sonntag in Wazareth. Nazareth oder EnNustra zählte i. I. \89j( nach einer angeblich genauen Statistik 7W Einwohner. Neben \825 Muhammedanern gab es 559^ Christen. Das gegenseitige Verhältnis ist also ungefähr V4 : %. Von den Christen waren 2870 griechisch-, \3J0 römischkatholisch. Dazu kamen 950 unierte (mit Rom verbundene) Griechen, 252 unierte Maroniten und 2\2 Protestanten. Juden werden in Nazareth nicht geduldet. Ich war noch nicht lange in meiner Herberge, als ein von Dr. T. gesandter Bote mir eine Einladung seines Gastfreundes zum Nachtessen überbrachte. So durfte ich gleich am Abend meiner Ankunft einen Blick in die Missionsarbeit thun, die von meinen Glaubensgenossen in der Stadt des vom Himmel gekommenen Missionars getrieben wird. Dr. XD. und seine Gattin leben schon viele Jahre auf Nazareths heiligem Boden. Der erstere schaut auf eine 30 jährige Wirksamkeit daselbst zurück. Die schottische ärztliche Mission, die ihn angestellt hat, steht hier ebenso lange in der Arbeit wie die englische kirchliche Missionsgesellschaft. ZTTit dem XDerk der letzteren machte mich der folgende Tag, der Sonntag Iudica, der ](5. März, bekannt. XDie mir am Abend zuvor bei meinen Gängen durch die Stadt der Mond geleuchtet hatte, so strahlte mir an diesem Sonntagsmorgen herrlicher Sonnenschein entgegen. (Schluß folgt.)

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