Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1892-01-01 · 3 (1892) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
48 (1892)
Issue
3 (1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554996-2554999--09122-2565247
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

iß. ein Gegner dieses Buches. Gr nahm ein Exemplar desselben vor 33 Jahren einem jüdischen Lehrer ab, damit er nicht darin läse. Aber als L. nun selber einmal von ungefähr oder vielmehr durch Gottes Fügung eben diesen Band in die Hand nahm, da fühlte er sich eigentümlich, wunderbar ergriffen. Gr schreibt: ,,Gine plötzliche Helle, ein Blitz durchströmte meine Seele. Mein Blick starrte verwundert in die Ferne, wie wenn einem Blinden durch einen elektrischen Schlag die Schuppen von den Augen gefallen sind. Gs war mir so wohl, so wunderbar zu Mute wie einem Schwerkranken nach der Genesung, wie einem Gefangenen, Gefesselten nach der Befreiung. Denn ich forschte nach Dornen und pflückte Rosen, entdeckte anstatt Kiesel Perlen, überirdische Schätze, anstatt Haß Liebe, anstatt Rache Vergebung, anstatt Knechtscbaft Erlösung, . . anstatt Tod Leben, Auferstehung." In letzterer Beziehung nimmt t. die Erfüllung von Ies. 53 durch Iesum an und verwirft die Deutung dieses Kapitels von dem leidenden Volk Israel. Nie dienten Israels Leiden den Völkern zur Genesung. Sodann that Israel in seiner Bedrängnis allerdings den Mund auf, murrte, seufzte und schrie, ja es fluchte seinen Peinigern. Im christlichen Jahrhundert wollte Hillel II. die Fortschritte des Lhristentums hemmen, indem er lehrte: „Israel hat keinen Messias mehr zu erwarten, denn es hat seinen Messias bereits zur Zeit des Königs Hiskia genossen." Darin lag wenigstens Berechnung. Aber nach dem Messias sich zu sehnen und seine Nähe nicht zu ahnen: das ist Begriffsverwirrung. Jeder Schwärmer fand einen Anhang: Thristus, der seinen heiligen Namen mit der Flammenschrift reiner Menschenliebe in das Buch der Geschichte geschrieben hat, wird verstoßen. Wie unverständig das ist, zeigt die vom Verfasser gezogene parallele zwischen Ehristo und Sabbathai Zebi. „Wohlan, werde Licht! Denn Dein Licht kommt: ein Licht, welches strahlt, aber nicht blendet, welches keine Wolken trüben, kein Sturm verlöschen kann." Uni den Herzensboden für das himmlische Samenkorn urbar zu machen, greift L. auf die Ruhmes- und die Leidensgeschichte seines Volkes zurück. Er fragt seine jüdischen Brüder: „Ist der Bund Gottes nicht gelockert, nicht gewichen aus Eurem Munde? Wird er nicht gänzlich weichen aus dem Munde Eurer Nachkommen?" Es ist umsonst, das alte Kleid mit neuen Lappen zu flicken. Nur die Ordnung des Glaubens, wie sie Lhristus nach Habakuk 2, $ predigte, kann uns helfen. Das Lhristentum ist dem Judentum kein fremdes Haus Dafür liefert L. in einer Beleuchtung der von der Wiener Israelitischen Allianz ihm übersandten ^5 Grundsätze der jüdischen Sittenlehre zahlreiche Beweise. Bei der Vergleichung der jüdischen und christlichen Lehren stellt es sich aber freilich heraus, daß die letzteren in mancher Einsicht ausgeprägter erscheinen. Vieles, was im Talmud nur Kommentar ist und von minder edel Denkenden anders gedeutet wird, ist im Evangelium unmißverständlicher Text. Der Verfasser fordert schließlich auf, die beiden Stäbe, als welche er das Judentum und das Thristentum darstellt, einander nahe zu bringen, daß sie nur einen einzigen ausmachen. „Sollten die Juden nicht im Neuen Testa-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.