Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 3 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Kr. 3. — 48. Jahrgang. — 1892. Anhalt: Rabbiner Lichtenstein über Judentum und Christentum. — Im Lunde Immanuels (Zorts.). — Der angebliche Ritualmord in Damaskus. — Missionserlebnisse des Herausgebers i. I. t89i. — Aus dem Briefe eines Missionsfreundes. — Anerbieten. Rabbiner Lichtenstein über Judentum und Christentum. Die früheren Veröffentlichungen des ungarischen Bezirksrabbiners I. Lichtenstein erregten in weiten Areifen Aufsehen. Von manchen Israeliten wurde der kühne Mann beglückwünscht und zum Fortschreiten auf der eingeschlagenen Bahn ermuntert. Aber auch heftiger Widerspruch erhob sich, namentlich vonseiten seiner Amtsgenossen und seines Bruders. Eine schwere Prüfung legte ihm der \88? erfolgte Tod seines erstgeborenen Lohnes, eines 28jährigen Arztes, auf. In der Trauer um denselben mußte er jene Anfeindungen besonders schmerzlich empfinden. Als man ihm unlautere Beweggründe für sein Hervortreten zuschob, konnte er daraus Hinweisen, daß er, der jetzt auf eine HOjährige Wirksamkeit als Rabbiner zurückblickt, in Ehren grau geworden fei. Nur der Wunsch, der ,steuern, alten Mutterreligion" zu helfen, veranlaßte ihn, zur Feder zu greifen. Genossen zu solchem Rettungswerk sucht L. auch in seiner neuesten Schrift, auf welche die „D. E." schon im vorletzten Bücherbericht ((8% S. 88) aufmerksam machten. ,,Denket reiflich, ernst nach übers Judentum, forschet gründlich, unparteiisch übers Lhristentum!" ruft er am Schluß der Einleitung seinen jüdischen Brüdern zu. Daß das letztere das Heilmittel des ersteren ist, weist das Buch selber nach. Der Gedankengang ist folgender: Vieles verkündigt die beseligende, unüberwindliche Rraft des Thristentums. Auch in fernen Ländern fängt der Geist Gottes an, zu treiben. Aber während alles erwacht, schläft der Jude immer noch. Das Leben rauscht an ihm, ohne ihn vorüber. Er sieht nicht die Zeichen der Zeit, hört nicht die flehen.de, sanfte Stimme seines Freundes, versteht nicht seine Propheten. Mit der Linken tastet er nach dem Messias, mit der Rechten stößt er ihn von sich. Abenteurer (Zaddikim) finden Glauben, aber gemieden wird der, welcher erwacht. Und doch ist die Liebe Gottes zur Welt in dem eingeborenen Sohne erschienen. Dieser ist ,,unser Bruder Joseph, den sein Vater mehr liebt als alle seine Rinder." Man liest so viel Schlechtes, aber ungelesen verurteilt wird das Neue Testament. Und doch ist es das Buch der Bücher, welches Wüsteneien in fruchtbares Gefilde verwandelt, Wilde gezähmt, Blutgierige gebändigt hat, die Fortsetzung, der Schlußstein des Alten Testamentes. Auch der Verfasser war einst