Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 2 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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_w. von dem aus ich ein Bad im Jordan hätte nehmen können, war nicht zu entdecken. So konnte ich hier leider nicht nachholen, was ich am 3. März versäumt hatte. Obwohl Regen und Sonnenschein mit einander abwechselten, wäre ein Bad wegen der hinreichenden Luft- und Wasserwärme gewiß ungefährlich gewesen. Nach einiger Zeit stellten sich die beiden Freunde ein, welche von unserm ersten Landungsplatz durch Dickicht und Morast zu Fuß hierher gedrungen waren. Ihre Mühe hatte einen schönen Lohn empfangen. Sie konnten mich mit allerlei Merkwürdigkeiten, die sie gefunden hatten, mit Bruchstücken von steinernen Messern und Tonkrügen, sowie mit zierlichen Mosaiksteinen und Glasstücken beschenken. Wer weiß, wie viele Schätze hier noch zu heben wären, wenn man größere Ausgrabungen veranstalten wolltet Ohne Samach, das links, jenseits des Wassers, lag, berührt zu haben, kehrten wir wieder um. hinter dem genannten Dorf beginnt das Land der Gadarener. Gadara war einst eine ansehnliche Stadt mit warmen Quellen, nach Zosephus die Hauptstadt peräas, nach plinius eine der Zehnstädte. Die verschiedenen Lesarten Matth. 8, 28 und in den Parallelstellen erklären sich daraus, daß Gadarener die allgenreine, von dem ganzen Landstrich hergenommene, Gergesener oder Gerasener die besondere, mit dem Wohnort der Personen zusammenhängende Bezeichnung war. Gerasa war eine kleine Stadt im Gebiet von Gadara. (Zn dem letzteren wurde die wertvolle Goldmünze Konstantins des Großen gefunden, die ich mir in Tiberias dank der Vermittelung von Or. T. erwarb.) Am Westufer sahen wir bei der Rückfahrt eine große Aarawane, die, von Tiberias kommend, nach Süden zog. Welch' ein Gegensatz: ein solcher Pilgerzug und ein Eisenbahnzug! Aber man meine doch nicht, daß der orientalische Volkscharakter in dieser Einsicht ebenso gebunden sei, wie etwa nach dem Urteil vieler der romanische dem Aotholizismus angehört. Wie es evangelische Gemeinden in Italien, Spanien u. s. w. giebt, so läßt sich der Morgenländer die Erfindungen des Abendlandes gefallen und lernt sie schätzen. Auch in Palästina wird der Umschwung in der Anwendung der Verkehrsniittel nicht lange ausbleiben. Möchte hier nur endlich auch eine geistliche Wiedergeburt, die ebensowenig unmöglich ist, überall erfolgen! Beachtenswerth waren die Rufe, mit denen die Bootsleute sich gegenseitig anfeuerten oder von dem Steuermann, b)rn. <£., ermuntert wurden. Sie lauteten: „Aschera!“ Alle zehn Finger an die Ruder! „Kaddemu!“ VorwärtsI „Dschiddan!“ Seid starke MännerI Um ihren Eifer zu loben, versicherte ihnen £)r. E., daß „ihre Augen offen" feien. Unser jüdischer Schiffer hieß Mathok (Süß, Zucker). Ein anderer, der Vater eines Anaben, wurde dem arabischen Brauch zufolge nach diesem Abu Thalil (Thalils Vater) genannt. Ich fühlte nach dem ersten Ruderer gegenüber besonders zu Dank verpflichtet, da dieser mich mit dem merkwürdigen Fischbrot bekannt machte, welches am See von Tiberias bereitet wird. Daß es mir wohlgeschmeckt habe, kann ich allerdings nicht behaupten. Einmal über-