Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 48 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Art und Weise, wie sein Gruß (bei Tage: „Nehärak säid“ — Dein Licht sei glücklich!) von Vorübergehenden erwidert wurde. Wirklich freundschaftlich ist sein Verhältnis zu einem eingeborenen griechischen Lhristen, der vermöge seiner öffentlichen Stellung der Mission schon manche gute Dienste erweisen konnte. Neben meinem Freunde wandernd, wurde ich nie von dem sonst oft so lästigen Bettel angegangen. Selbst bei dem Besuch der merkwürdigsten Synagoge von Tiberias, die zumteil nahezu 2000 Jahre alt sein soll und schöne Thorarollen besitzt, wurde ein Bachschisch nicht verlangt und nicht gegeben. „Ich nehme keinen Bachschisch," sagte Hr. <£. scherzend, „wenn die Juden mein fjaus besehen. So erhalten sie auch keinen, wenn sie mir ihre Synagoge zeigen." Es gewährte mir ein wirkliches Vergnügen, an seiner Seite im Bazar allerlei Einkäufe zu machen, höchst komisch war es dabei, zu sehen, wie ein Schwarm Menschen uns von einer Verkaufsstelle zur andern begleitete und bei dem Erwerb der Sachen mit guten Ratschlägen dienen wollte. Auch der Lehrer einer jüdischen Schule, in welcher noch nach echt morgenländischer Weise unterrichtet wurde, hieß mich um meines liebenswürdigen Führers willen freundlich willkommen. In die geistliche Nacht, die unter den Juden von Tiberias herrscht, ließen namentlich die Mitteilungen des Missionsgehilfen G. hineinschauen. Der Talmud, der zumteil hier entstanden ist, wird fleißig studiert und vielfach auch befolgt. Bei vielen Juden ist die Vielweiberei in Gebrauch. Z. B. hat G.'s Hauswirt, der zu den Moghrabim gehört, 2 Frauen. Von einem Juden in Safed berichtete der Gehilfe, daß derselbe eine aschkenasische und eine sephardische Frau habe. Wenn ein Mädchen 3 Jahre und s Tag alt ist, kann es verheiratet werden. Ein Mann in Tiberias heiratete ein 7jähriges Mädchen, wobei ausbedungen wurde, daß er die Angetraute erst in ihrem \2. Lebensjahr zu sich nehmen dürfe. Schon nach einem Jahre gefiel ihm diese Bedingung nicht mehr, und er ließ sich von ihr scheiden. Das Mädchen blieb nun 6 Jahre lang geschieden. Dann heiratete es zum zweiten Mal. Die Töchter der Sephardim treten meistens mit \0—\2, die der Aschkenasim mit —\5 Jahren in die Ehe. Wenn ein Knabe im 3. Lebensjahr steht, werden ihm zum erstenmal die Haare geschnitten. Dies ist mit großen Feierlichkeiten verbunden. In Begleitung zahlreicher Geladener, befreundeter Personen und angesehener, froinmer Leute, führt man das Rind an das draußen vor der Stadt liegende Grab des Rabbi Me'ir oder an das in Meiron bei Safed befindliche des Rabbi Simeon. Dort müssen Pfeifer und Trommler Musik machen, wobei die Gesellschaft tanzt. Auch der Vater, der feinen Sohn auf die Schulter genommen hat, springt mit demselben herum. Die Bewirtung der Tanzenden geschieht mit Branntwein. Nun folgt die Hauptsache: das Haarschneiden, was man mit einem dem Arabischen entlehnten Wort „Kalikken" nennt. Der Vater dreht dem Kleinen die „Peoth," die Locken, und jeder der Freunde schneidet ein Stück der Haare ab. Diese wunderliche Feier findet in Tiberias in der Nacht des (5. Ijjar, des zweiten jüdischen Monats,