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Dibre Emeth · 1892-01-01 · 1 (1892) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
48 (1892)
Issue
1 (1892)
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 6—8. Da die Abhaltung von Gottesdiensten im Hause des Missionars nicht gestattet ist, benützt man für dieselben die Anabenschule. Im Hause von Hrn. <£. finden sich indessen täglich, besonders aber an jedem Sonnabend Juden oder Jüdinnen ein. Am ff. März lernte ich ein Stück der Missionsarbeit, die hier getrieben wird, aus eigener Anschauung kennen. Mir gingen zuerst zu Dr. C. Sein Wartezimmer war bei unserer Ankunft bereits voll von Aranken, jüdischen und muhammedanischen, alten und jungen beiderlei Geschlechts. Ihre Zahl mochte 60—70 betragen. An den Wänden hingen hier, sowie im Sprechzimmer des Arztes Bibelsprüche in englischer und arabischer Sprache, u. a. Hebr. s2, 2: „Aufsehend auf Jesuml" Um 9 Uhr begann die Arbeit, indem Dr. T. einige Worte an die Versammelten richtete, hierauf verlas ein Gehilfe Hebr. 3 auf arabisch. Dann hielt ich auf den Wunsch des Arztes eine kurze Ansprache in möglichst schlechtem Deutsch, da manche Anwesende den jüdisch-deutschen Jargon redeten. Und nun widmete sich Dr. T., der sich eine große Schürze vorgebunden hatte, in seinem Amtszimmer der leiblichen pflege seiner Patienten. Ich bewunderte die Sicherheit, mit welcher er verschiedene Operationen ausführte. Einige allerliebste, schwarzäugige Rinder wurden mit Süßigkeiten bewogen, sich gutwillig impfen zu lassen. In dem kleinen Spital sah ich neben andern Aranken einen alten Beduinen, dem Hr. T. kurze Zeit vorher den Star gestochen hatte. Die Dankbarkeit des von der Blindheit befreiten Mannes ist groß. „Wenn ich entlassen sein werde," sagte er, „will ich mir eine Fahne machen, mit derselben durch die Stadt ziehen und überall erzählen, was mein Arzt an mir gethan hat." Man vergleiche hiermit z. B. Mark, (, ^5. Auch in der Mädchenschule, die ich an demselben Vormittage besuchte, durste ich nicht ausschließlich sehen und hören, sondern mußte auch reden. Die Prüfung der Rinder, unter denen einige Negerinnen waren, in der Religion, im Singen und Rechnen lieferte gute Ergebnisse. Bei manchen Schülerinnen fielen mir die großen, glänzenden Augen auf. Die zwölf Zöglinge der Anabenschule, zu denen ich hierauf geführt wurde, zeigten mir ihre Fertigkeit im Lesen. Ihren Dank für meine kleinen Geschenke drückten die Rinder mit dem landesüblichen Wunsch aus: „Kattir chairak (Gott vermehre Deine Güte)!" Am Abend dieses Tages nahm ich an einer arabischen Bet- und Bibelstunde im Schulzimmer der Anaben teil. Sie wurde von Miss. E. geleitet, doch hielt gemäß seiner Einladung ein gerade anwesender arabisch - protestantischer Prediger aus dem Libanon die Ansprache. Der Redner überraschte durch die Textwahl: die Geschichte von dem Vertrage Israels mit den Gibeoniten, Jos. 9. Er wußte indessen diesen Abschnitt praktisch zu behandeln. „Gottes Volk soll nichts ohne Gottes Weisung thun." Eigentümlich waren auch die arabischen Gesänge bei diesem Abendgpttesdienst, nach dessen Beendigung wilden Prediger zu seinen hier wohnenden Verwandten begleiteten und so auch diese kennen lernten. Welcher Beliebtheit f}t. E. sich erfreut, merkte ich u. a. an der

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