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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 12 (1891) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
12 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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95 Eine christliche Jom - Kippur - Feier fand am u. Oktober d. 3. zu Berlin im Vereinssaal, Potsdamerstr. 27b, statt. Pastor em. Krüger redete über Sach. 12, jo—der Herausgeber der „D. <E." über 3. Mose 23, 26—32. An der Versammlung nahmen etwa 40 Israeliten teil. Line gleichartige Feier wurde zu derselben Zeit im Vereinshause zu Breslau abgehalten. Der Besuch übertraf hier alle Erwartungen. Der Saal war ganz gefüllt. Die Zahl der erschienenen Juden wurde auf etwa 60 angegeben. Konfistorialrat Schubart sprach über die Zusammenfassung des Gesetzes 5. Mose 6, q. ff. und führte aus, wie äußere Ehrbarkeit und äußere Erfüllung der Gebote zwar gut sei, aber Iehovah mehr verlange: er wolle das Herz haben. Israel solle ihm gehören, wie das Weib dem Manne, wenn sich das Herz von ihm abgewendet habe, sei eine Versöhnung notwendig. Diakonus Konrad behandelte Ies. 53. Er wies darauf hin, daß die alte Iom-Kippur-Feier nur als eine Weissagung auf die wirkliche Versöhnung in der messianischen Zeit aufgefaßt worden sei und aufgefaßt werden müsse. Tatsächlich sei dort nur von einer Bedeckung der Sünde, d. h. von einem Aufhalten des Strafgerichts Gottes von Jahr zu Jahr, die Rede. Die wahre Versöhnung verlange aber eine Tilgung der Sündenschuld, nicht bloß eine Bedeckung. Dies werde dem Knechte Gottes in Ies. 53 zugeschrieben. Der wahre Knecht Gottes ist nicht der blinde Knecht (Ies. H2, *9)/ nämlich das Volk Israel, auch nicht das Prophetentum, das selbst die eigene Sünde bekennt, sondern Jesus, der Christus. Mit seiner Versöhnung mußte die vorläufige Sühnanstalt aufhören. Er hat die Sündenschuld getilgt, nicht blos bedeckt. Daher ist in seinen Wunden Friede für das gequälte Menschenherz. Für den ungläubigen Teil des Volkes Israel war aber nun keine Bedeckung der Schuld mehr da. Daher brach das Strafgericht herein, sodaß seit *8 Jahrhunderten die Bußrufe des blinden Knechtes Gottes in den Lüften verhallen und taube Ohren Iehovahs finden. Der Beweis für das Christentum gegen das Judentum ist die Weltgeschichte, das Hinsinken des versähnungstempels und des Versöhnungspriesters gemäß der Vorausverkündigung Jesu Christi. Möge sich die christliche Feier des jüdischen Versöhnungstages als ein Zeugnis von dem rechten Wege, der zur Versöhnung führt, immer mehr bei uns einbürgern! _ Belohnte Ausdauer. Als Missionar Goldenberg in Algier einen reichen Israeliten besuchen wollte, ließ ihm dieser durch seinen Diener sagen, er brauche keine Missionare. G. kehrte schon am folgenden Morgen wieder, wurde aber auch diesmal abgewiesen. Er wagte es noch ein drittes Mal an dieselbe Thür zu klopfen, und jetzt öffnete ihm der Besitzer selbst, um ihn zu fragen, warum er trotz der wiederholten Verbote immer wieder komme. „Mein Meister", sagte G., „sandte mich mit einer Botschaft zu Ihnen, und ich bin daher verpflichtet, sie auszurichten". Da lud ihn der Jude, vielleicht aus Neugierde, in sein Haus und härte ziemlich geduldig zu, als der Missionar anfing zu reden. Aber dann sagte er: „Ich habe Ihnen Gelegenheit gegeben, Ihren Auftrag auszurichten, und Ihre Rede gegen meine Religion angehärt. Jetzt können Sie gehen." Die Worte des Christen hatten keinerlei Eindruck auf ihn gemacht. Und doch that sich noch die Thür zu seinem Herzen auf. Ehe G. sich entfernte, erhielt er die Erlaubnis, Hes. 37 vorzulesen Das Kapitel bewegte den Israeliten tief. G., der es auf den gegenwärtigen sittlichen Zustand Israels anwandte, mußte es mehrmals lesen. Fortan stand ihm dies Haus immer offen. Er brachte den Eigentümer schließlich dazu, das Neue Testament zu studieren. Jetzt ist derselbe nicht fern vom Reiche Gottes. Durch seine Empfehlungen erhielt der Missionar Zutritt zu andern jüdischen Häusern, die ihm früher unzugänglich gewesen waren. Diese Geschichte erinnert an ein Wort von Guizot: „Die Kraft des Bösen ist in dieser Welt weniger zu fürchten, als die Schwäche im Guten. Wenn die richtigen Gedanken sich kühn entfalten würden, hätten die falschen Grundsätze kein so leichtes Spiel." _ Aus Egypten wird wieder ein wertvoller Fund gemeldet. In Abukir hat man nur wenige Fuß unter der Oberfläche 3 Kolossalstatuen aus Rosengranit von je \o Fuß Höhe ent-

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