Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 12 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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9* besseren Führer befommen können. In den 5 Tagen, während deren ich die ganze Poesie einer solchen einsamen Reise von Jerusalem nach Tiberias kennen lernte, entdeckte ich manche gute, viele Christen beschämende Eigenschaft an ihm. Allerdings wollte es mir einmal scheinen, als enthalte eins der eintönigen arabischen Lieder, die er, vor oder hinter mir reitend, zu singen pflegte, Verwünschungen, für Alemannen (Deutsche) und Juden. Aber vielleicht täuschte ich mich. Selbst dann, wenn er wirklich solche unfromme wünsche geäußert haben sollte, würde ich ihm nicht gram sein. Ich möchte annehmen, daß sie nicht so ernst gemeint waren. Rührend war es mir, wie aufmerksam er den bedeutendsten Ausspruch des Neuen Testamentes, Ioh. 3, \6, anhörte, als ich ihm denselben im Angesicht des Galiläischen Meeres auf unserer letzten Haltestelle Vorsagte. „Tajib!" (das ist schön!) rief er, nachdem er den Sinn der Stelle verstanden hatte. UV. Unter den Lebenden in Tiberias. Etwa eine halbe Stunde nach meiner Ankunft in Tiberias tra^ ein Mann in das Haus meines Gastfreundes, um sich nach mir zu erkundigen. Es war ihm garnicht recht, daß ich schon angelangt war, wollte er mir doch gerne eine Strecke Weges entgegenkommen. Dennoch begrüßten wir einander mit großer Freude. Sein Anblick versetzte mich in jene Stadt Gberschlesiens, in welcher ich diesen Sohn Abrahams zuerst gesehen, und in die kleine Kirche einer Vorstadt Breslaus, in welcher er seinen Glauben an den Messias Jesus bekannt und das Bundeszeichen der Taufe empfangen hatte. Jetzt weilt mein geistlicher Sohn schon längere Zeit hier, im Lande seiner Väter, und dient treulich dem schottischen Prediger, der bei seinem Übertritt zum Christentum als Zeuge zugegen war. Noch am gleichen Nachmittage machte ich, mit Speise und Trank gestärkt und durch ein Bad erquickt, mit meinen Freunden einen Gang durch die Stadt, die ich schon vom Dach des Dauses überschaut hattewir besuchten den Missionsarzt, Dr. T., dessen Wohnung ebenso wie das naheliegende Franziskanerkloster sich unmittelbar am Meere befindet. Das letztere zeigte eine vielfach wechselnde, bald düstere, bald Helle Färbung infolge der immer kräftiger werdenden Bewegung der Luft. Diese Bewegung nahm in der folgenden Nacht noch mehr zu und steigerte sich zu einem regelrechten Sturm. Am Mitternacht wachte ich an einem von vielen Stimmen ausgehenden Jammergeschrei aus. Infolge der Anstrengungen der letzten Tage war ich jedoch so schlaftrunken, daß ich alsbald wieder einschlief. Am andern Tage, an welchem der Gischt immer noch bis zur Höhe einer unweit des Ufers stehenden Palme emporspritzte, erzählte man uns, daß der Sturm in der Nacht eine Synagoge zum Einsturz gebracht und einige Thorarollen der Vernichtung durchs Wasser preisgegeben habe. Am Nachmittage des \0. März bedrohte die tosende Brandung zwei der Mission gehörige Böte. Daher wurden von Hrn. L. einige Leute beauftragt, das eine weiter hinaus zu führen, das andere ans Land zu ziehen. Es war ein aufregendes Schauspiel, wie die braunen Gesellen schwimmend die beiden Fahrzeuge aufsuchten und den Befehl vollstreckten. (Forts, f.)