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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 12 (1891) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
12 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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9 2 stellte sich bei meinem Mahle ein: ein zartes Tier, welches der allgemeine Liebling der Mönche zu sein schien. Mehrere der letzteren gingen während des Essens aus und ein. Liner vertrat die Stelle eines Kellners. Auch dieser dienende Bruder gewann mein Herz. Er war eine kindliche Seele, der es in den späteren Abendstunden die größte Freude machte, meine kleinen biblischen Bilder, sowie die Karten meines Reisehandbuches zu besehen. Leider sprach er nur Neugriechisch. Wenn mir das Binde-glied zwischen diesem und dem Altgriechischen fehlte, mußten auch hier Zeichen aushelfen. Trotz unseres freundschaftlichen Verkehrs luden mich die Mönche nicht zu ihrem Sonntagabendgottesdienst ein. Möglicherweise geschah dies nur aus Vergeßlichkeit. Gder man hatte es überhaupt nicht verstanden, daß ich gebeten hatte, bei der Feier zugegen sein zu dürfen. Vor Schlafengehen trat ich nod\ einmal in den Klosterhof. Der Wind rauschte in den hohen Bäumen. Über mir aber glänzte der nächtliche Fimmel in unsagbarer Pracht. Gerade über dem Tabor schien der Stab Aarons zu stehen. Jahrtausende schon schauen so die goldenen Sterne vom blauen Himmelszelt auf dies Land herab. Wie mancher fragende und sehnsüchtige, bewundernde und lobpreisende Blick ist wohl von seinen Bewohnern zu ihnen emporgesandt worden! Die Religion Israels forderte geradezu dazu auf, die Wunder der Himmelswelt ins Auge zu fassen (Jes. ^0, 26). Aber das hellste und herrlichste Licht, welches hier je leuchtete, ist der „Stern aus Jakob" (^. Mose 2H): der, den Gott „erhöht hat zu einem Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben." Ach, wie klein war die Zahl derer, die sich zu ihm erheben ließen! Und wie wenige wollen sich auch jetzt, wo jener Stern mehr und mehr der ganzen Welt leuchtet, mit ihm befassen! XIII. DasGaliläischeMeer. Der Morgen des 9- März begann stürmisch und kalt. Aber bald drang die Sonne durchs Gewölk, um mir das irdische Paradies, in welchem der Tabor sich erhebt, noch einmal in seiner Schönheit zu zeigen. Blumen pflückend schritt ich nach der Verabschiedung von den Mönchen ins Thal hinab. Unten wurde das mir so lieb gewordene Pferd bestiegen, welches mich heute zum letzten Male tragen sollte. Bei einem Beduinenlager hielten wir kurze Zeit. Ich hatte wieder Gelegenheit, kleine Araber mit Bildern zu beschenken, die sie in die heil. Schrift einführen sollten. Später kamen wir an einem festungsartigen Gebäude, dem zerfallenen Khün Et-Tudschür, vorüber. Der Boden war stellenweise wieder recht sumpfig. Auch als wir die Telegraphenstangen erreicht hatten, die Nazareth und Tiberias mit einander verbinden, wurde der Weg noch nicht besser. Auf den Feldern gingen Fellachen hinter dem Pfluge her, dessen Aussehen sich von der vor alters zum gleichen Zweck hier gebrauchten Einrichtung nicht unterscheidet. Auch eine große Karawane bewegte sich langsam an uns vorbei. Nach mehrstündigem Ritt gelangten wir auf die Höhe im Nordwesten der Stadt Tiberias. Hier wurde noch einmal Halt gemacht.

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