Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 12 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3d) dankte Gott, als wir endlich wieder festeren Boden unter den Füßen hatten und bei Deburije (Jos. u. 2\) zwischen Myrthen und anderen grünen Bäumen zum Tabor hinaufreiten konnten. Daß dieser Berg, den die Eingeborenen Dschebel-et-Tür nennen, nicht der Verklärungsberg (Mat. ^7) ist, steht fest. Abgesehen davon, daß er zur Zeit Lhristi bebaut war, überragt er die Ebene nur mit 300 m, während die Bibel von einem hohen Berge redet. (Die Erhebung des Tabors über dem Meer beträgt 6\5 m.) Auf dem kuppelartigen Gipfel liegen zwei Klöster, ein griechisches und ein lateinisches. Beidesind zur Aufnahme von Reisenden eingerichtet. Zch suchte das erstgenannte auf und hatte diese Wahl nicht zu bereuen. Die Mönche kamen mir mit großer Freundlichkeit entgegen und wiesen mir eine Zelle in dem langgestreckten Pilgerhause an, welches nördlich vom eigentlichen Kloster liegt. Auch für die Unterbringung meines Dieners¬ und der beiden Pferde wurde Sorge getragen. Nachdem ich mich an dem mir angebotenen Syrupwafser gelabt hatte, besuchte ich unter der Führung eines italienisch und französisch redenden Ulosterbruders das Hauptgebäude und die darin liegendehübsche Kirche. Dann wanderten wir durch den gut angebauten, großen Klostergarten, an den ein besonderes Haus für vornehme- Reisende stößt. Endlich zeigte mir mein Führer auch den übrigen Teil der Hochebene, die den Tabor krönt. Zwischen dem alten Gemäuer, an dem wir vorüberkamen, wuchsen schöne Blumen. Aber das Schönste, was man hier sehen konnte, war doch die Aussicht. Lin Kranz von Bergen begrenzt den Gesichtskreis, Hoch oben im Norden leuchten in hehrer Majestät die Schneefelder des Großen Sermon. Zm Westen hält der Karmel die wacht am Meere. Vom Süden her, jenseits des Kleinen Sermon, grüßten mich die am Tage zuvor durchrittenen Berge Samarias. Zm Osten erhebt sich das Haurangebirge. Jetzt sah ich auch zum ersten Mal ein Stück des Galiläischen Meeres. Es lag tief unter mir, während das in einem Einschnitt der Berge sichtbar werdende Mittelländische Meer hoch über meinem Standort zu liegen schien. Mein Entzücken über die Großartigkeit der umgebenden Natur wurde durch den stillen, bleichen Mönch an meiner Seite, eine höchst anziehende Erscheinung, über die einegeheime Schwermut ausgegossen war, in die rechten Bahnen gelenkt. Er führte angesichts dieser Herrlichkeit Psalm 8Z, (3 an: „Tabor und Hermon jauchzen in Deinem Namen." Alle Naturfreude soll zur Anbetung des Gottes anleiten, von dem es in jenem Liede Ethans weiter heißt: „Du hast einen gewaltigen Arm. Stark ist Deine Hand und hoch ist Deine Rechte." Bald nach der Rückkehr von diesem überaus genußreichen Gang wurde mir in meiner Zelle das Abendessen bereitet. Ls bestand aus gekochtem Reis und Geflügel, weichen Eiern, saurer Milch, Wein, Thee und Brot. Auch mein Mukari stellte sich ein. Er kauerte am Boden neben meinem Divan wie ein treuer Hund, der den ganzen Tag neben uns hergelaufen ist und nun am Abend auf die Bissen wartet, die von seines Herrn Tische fallen. Auch ein wirklicher Hund