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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 12 (1891) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
12 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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90 Der Grt, welcher zur Zeit Elisas der Schauplatz einer Totenerweckung war (2. Kört. ^), liegt recht* malerisch am Fuß des Dschebel Dahi, des Kleinen Sermon. Dagegen ist das Innere dieses muhammedanischen Dorfes durchaus nicht anziehend. Ein Sunamit führte uns auf den weg nach Nain, dem an der entgegengesetzten Seite des Berges liegenden Denkmal einer neutestamentlichen Auferweckungsgeschichte (Luk. 7). Nicht lange nachdem wir die Kaktushecken von Solam hinter uns hatten, begann der Aufstieg. Ich übergab mein Pferd dem Mukari und erkletterte zu Fuß den zumteil steilen Abhang. Zwischen den Steinen und Felsen verbargen sich die reizendsten Kinder des Frühlings. Die Aussicht wurde immer schöner, je höher ich kam. Endlich stand ich auf dem Gipfel und übersah nun auch den vom Tabor und von den Bergen Nazareths begrenzten übrigen Teil der Ebene Iesreel. Der Kleine Sermon ragt wie eine Felseninsel aus dem Meer der Ebene empor. Der Rundblick war so prächtig und die Bergeseinsamkeit so wohlthuend, daß ich beschloß, hier die Mittagspause eintreten zu lassen. So lagerten wir beiden uns am Boden zur gemeinsamen Mahlzeit und ließen die Pferde grasen. Auch bergab ging ich zu Fuß. Das Helle Kirchlein von Nain, einem Dorf, welches womöglich noch armseliger ist als Solam, war mein Ziel. Auch hier wohnen in den wenig menschenwürdigen Behausungen nur Muhammedaner. Selbst der Kirchendiener ist ein solcher. Er erschien bald, um mir das von römischen Katholiken erbaute Gotteshaus aufzuschließen. Drinneti fand ich links vom Eingang eine in lateinischer Sprache abgefaßte Beschreibung des Wunders, welches den kleinen Grt in der ganzen christlichen Welt bekannt gemacht hat. Ich las auch die auf einem Altar angebrachte große Doxologie, sowie das Glaubensbeketmtnis des Athanasius. Endlich kttiete ich zu einem stillen Gebet nieder. Als ich, innerlich gehoben und erbaut von diesem einsamen Gottesdienst, das Kirchlein verließ, wartete draußen schon mein treuer Diener auf mich. Ich setzte mich wieder zu Pferde in der Hoffnung, bald auf dem so nahe scheinenden Tabor eintreffen zu können. Allein auch hier verhinderte der morastige Boden ein schnelles Vorwärtskommen. wie am Vormittag, mußte ich auch jetzt an gefährlichen Plätzen mein Roß am Zügel führet:. Mehrmals waren wir nahe daran, in den Schlamm zu versinken. Einmal konnte mein Pferd nur mit unserer Unterstützung sich wieder erheben. Hier zeigte sich so recht die Gelassenheit, aber auch Umsicht meines Führers. Wenn ich meinte, jetzt bleibe nichts anderes übrig, als umzukehrett, wußte er noch eine etwas weniger durchweichte Stelle zu entdecken, und so' kamen wir doch allmählich weiter. Er saß gewöhnlich mit untergeschlagenen Beinen auf dem Sattel, an welchem rechts und links meine Gepäckstücke hingen, und leitete sein Tier mit einem Strick des Zügels. Wenn er so vor mir her.ritt und mir dabei die nötigen Weisungen gab, kam er mir vor wie ein Feldherr, der mit ruhigem Blut feine Truppen aus der schwierigsten Lage heraus zum Ziele führt, helfen konnte uns sonst kein Mensch, höchstens liefen uns einmal ein paar Gazellen über den weg.

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