Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 11 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Andacht von dem Imam, dem Vorbeter, der vor dem Mihrab, dem. Altar, steht, geleitet. Meine Nachtruhe, für die man mir einen der den innern Hof des Gebäudes umgebenden Räume angewiesen hatte, erlitt einige Störungen. In dem Gastzimmer hatten sich uämlich schon vor mir gewisse kleine Gäste einquartiert. Gleichwohl schied ich am andern Morgen vou Dr. 5. mit herzlichem Dank, nachdem er mich auch noch mit Kaffee erquickt hatte. Lr nahm mein Gastgeschenk, einen arabischen Psalter, gerne an. Auch er wollte einen Ausritt machen, doch konnte ich mich ihm nicht anschließen, da sein Reiseziel der Jordan war, wo kurz zuvor ein Mann ermordet worden war. Übrigens gefiel er mir an diesem Morgen viel weniger als am Abend zuvor. Statt der europäischen Kleidung, in welcher er sich zuerst gezeigt hatte, erschien et in einem morgenländischen Gewände, welches seiner Gattin zu gehören schien. Und dann behandelte er in meiner Gegenwart einen Viehtreiber, dessen Tiere über des Arztes Kartoffelacker gelaufen waren^ mit großer Unbarmherzigkeit. Lr überhäufte ihn mit Vorwürfen undprügeln, die der arme Mensch sich ohne widerstand gefallen ließ. XII. Sülam, Nain und der Tabor. Ursprünglich war es meine Absicht, an diesem Tage, dem Sonntag Lätare, die Reise zu unterbrechen und ihn auf dem Berge Taborstill zu feiern. Aber verschiedene Gründe verhinderten die Ausführung meines Plans, vor allem der Umstand, daß ich infolge der Ungunst der Witterung nicht früh genug von Jerusalem aufbrechen konnte, wieviel man auch in der Gegend von Djenin von der Nässe zu leiden gehabt hatte, erfuhr ich von meinem dortigen Gastfreund. Lr erzählteauch von einigen wunderbaren Rettungen. So riß bei der durch den Regen verursachten Überschwemmung in dem benachbarten Dorf das Wasser eine wiege mit fort, in welcher ein Kind lag. Zum Glück wurde sie aber von den Zweigen eines Dlbaumes aufgehalten. Als man sie in denselben wiederfand, schlief das Kind ruhig auf seinem Lager. Lin Bauer bemerkte eine Gazelle, die im Morast stecken geblieben war, ritt auf seinem Lsel näher heran und stieg dann ab, um sie zu fangen. Allein es ging ihm und seinem Tier nicht besser als dem wild, auf welches er Jagd machte. Alle drei sanken immer tiefer. Der Mann wäre verloren gewesen, wenn sich schließlich nicht eine Hilfe gezeigt hätte. _(Fortsetzung folgt.) Die Fage der Jüdinnen in Marokko. Aus einem Reisebericht von Missionar Zerbib in Mogador. Vielweiberei kommt im Innern Marokkos sehr oft vor. Die Lehren der Überlieferung werden genau befolgt, denen zufolge ein Mann viele Frauen heiraten kann. Rabba fagt: „Es ist gesetzlich, dies zu thun, wenn er für sie sorgen kann. Jedoch haben die Weisen den guten Rat gegeben, daß ein Mann nicht mehr als 4 Frauen heiraten sollte". Die Lage der Jüdin ist sehr traurig und entwürdigend. Sie ist einfach die Sklavin des Mannes und der Gegenstand seiner Verachtung. In seinen Augen gehört sie zu einer geringeren Rasse und ist eine Dienerin, die weniger kostet als ein Tier, da er sie jeden Augenblick fortschicken kann, wenn er einige Mark bezahlt. Sie muß die gröbste Arbeit thun, auf ihrem Rücken aus