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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 10 (1891) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
10 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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78 sekte steht Hr. F. in Verkehr. Gbwohl die Angehörigen der letzterem sehr bigott sind, empfangen sie manchmal christliche Bibeln aus der- Hand des Missionars. Lswar ein Freitagabend, an welchem ich in der Geburtsstadt Justins, des christlichen Philosophen und Märtyrers, eintraf. Ich hatte daher Gelegenheit an einem Hauptgottesdienst der Samariter, der immer zu dieser Zeit stattfindet, teilzunehmen. Lin junger Mann führte mich durch das Straßengewirr in ihre Synagoge. Draußen mußte man sich wie vor einer Moschee der Fußbekleidung entledigen. Aus dem nicht sehr großen, einfachen Versammlungsraum tönte mir ein furchtbares Geschrei, ja, Geheul entgegen. Nach meinem Lintritt sahich etwa 50 Männer und Knaben vor mir, die in dieser lärmenden weise ihren Gott verehrten. Sie beteten aus dem Kerzen, bezw. aus dem Gedächtnis, ohne Gebetbücher, wobei sie auf den den Boden bedeckenden Matten bald saßen, bald standen, bald knieten, bald auf deim Angesicht lagen. Alle diese Veränderungen des Körpers wurden gleichzeitig, wie auf Kommando, von sämmtlichen Anwesenden ausgeführt- Für gewöhnlich saßen die Leute mit untergeschlagenen Beinen da. Je lauter aber die Gebete wurden, desto mehr Bewegung kam in ihre Glieder, bis der Gebetssturm mit einer kurzen Windstille endete, indem sie sich ganz niederwarfen. Man hatte dann auch den Lindruck, als ersterbe ein Gewitter in einzelnen, langsam rollenden und endlich verstummenden. Donnerschlägen. Aber sofort wiederholte sich derselbe Hergang. Die Beter nahmen immer eine schräge Richtung ein: dem Garizim zu. Rach dem Gottesdienst umringten mich die. Teilnehmer an demselben. Liner sprach englisch und stellte sich als den Sohn des abwesenden Hohenpriesters vor. Dann brachten die Priester, die in ihren bunten Gewändern recht hübsch aussahen, die uralte Gesetzesrolle herbei, welche der wertvollste Besitz der Sekte ist. Freilich läßt es sich nicht glauben, daß, wie die Samariter behaupten, Abisua, Aarons Urenkel, sie geschrieben habe. Nach dem Besuch bei den Samaritern .zeigte mir mein Führerdie Außenseite der im \2. Jahrhundert erbauten, aber jetzt als Moschee dienenden Johanniskirche und andere Teile der Stadt. Lin französisch redender, in einer katholischen Lehranstalt gebildeter Knabe schloß sich uns bei diesen Wanderungen an. Im brause meines Gastfreundes wurden die letzten Stunden vor dem Schlafengehen in angenehmer weise zugebracht. Am Sonnabendmorgen begrüßte mich lieblicher Sonnenschein. Mein Mukari war schon früh mit den Pferden zur Stelle. Ich wollte aber noch den Jakobsbrunnen besuchen und den Schauplatz der Joh. erzählten Begebenheit sehen, über die ich erst kurz vor meiner Abreise aus Breslau gepredigt hatte. Auch diesmal begleitete mich der junge Mann, der schon am Tage zuvor mein Wegweiser gewesen war. Durch die wasserreiche, weil von 22 Quellen umgebene Stadt ging ich zu Fuß. Draußen bestieg ich mein Pferd und war nun in etwa 20 Minuten am Ziel. Reicher Pflanzenwuchs umgiebt die denkwürdige Stätte, deren Wächter mir auch Josephs Grab und das Dorf Asker (Sichar) zeigte.

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