Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 10 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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76 die Glocke, deren liebliche Laute mir so wohl thaten, auf dem Missionshause der amerikanischeil Buäker in Ramallah angebracht. Es dauerte ilur wenige Minuten, bis wir dies Dorf erreichten, welches mit dem alten Rama (J. Aon. jö, \7) nicht verwechselt werden darf. Aber was nun? Lin Gasthaus, in welchem Europäer ordentlich übernachten können, giebt es zwischen Jerusalem und Tiberias nicht. Man ist auf die Gastfreundschaft der Eingeborenen oder der im Lande ansässigen Ausländer angewiesen. Für Ramallah war mir in Jerusalem der Name eines Europäers genannt worden. Seinem Hause, zu welchem uns ein deutsch redender, vielleicht im Syrischen Waisenhause erzogener Jüngling den Weg wies, wandten wir uns daher zu. Es liegt außerhalb des Grtes gegenüber einem Kloster der Franziskaner. Ein Hund schlug an und meldete dem Besitzer die Ankunft von Fremden. Hr. N. erklärte sich auf meine Frage alsbald bereit, mir für die Nacht ein Unterkommen zu gewähren. Er ist ein Holländer, aber in Ramallah schon Jahre im Dienste einer englischen Missionsgesellschaft als Leiter einer arabischen evangelischen Gemeinde von 26 Familien thätig. Ich mußte seine Gastfreundschaft, die mir auch ein Abendbrot bereitete, um so höher anschlagen, da ich zu recht ungelegener Zeit erschienen war. Frau N. hatte nämlich soeben ihren Gemahl mit einem Söhnlein beschenkt. Noch am Abend lernte ich einen voll den beibeit Lehrern der kleinen Gemeinde, mit welcher drei Außenstationen verbunden sind, kennell. Am folgendell Morgen wurde das hübsche, einfache Kirchlein ill Augenscheiil genommen. An den Wänden prangen gut gewählte Bibelsprüche in arabischer Sprache: „Gott ist ein Geist", „Gott ist die Liebe". Prediger Wilson kommt einmal monatlich von Jerusalem hierher, um die Gemeinde mit den Sakramellten zu bedienen. Hr. N. predigt nur, sowohl hier wie in den Schulen der Außellstationen. Leider sind die vom griechischell und römischen Katholizismus zum Protestantismus übergetretenen Eingeborenen manchmal unbeständig. Die Auäkermission beschäftigt hier einen arabischen Arzt, eine arabische und zwei englische Lehrerinnen. Ramallah ist ein christlicher Grt. Muhammedaner wohnen hier nicht, aber hin und wieder finden sich einzelne im evangelischen Buchladell ein, um sich Bibeln schellken zu lassen. Auch unter den Beduinen wird von hier aus missioniert. Um 71/2 Uhr holte mich mein Mukari ab. Das Wetter war unfreundlich. Die Schlechtigkeit der Wege nahm, wie Miss. N. vorausgesagt hatte, immer mehr zu. Bald versankell die Pferde im Morast, bald glitten sie auf den Felsplatten aus, welche der zum Glück nicht starke Regen schlüpfrig machte. Auf den Feldern sahen wir hin und wieder Fellachen arbeiten. Auch kamen, wie am vergangenen Tage, einzelne auf Eseln oder Kamelen an uns vorbei. Im ganzen war aber die „Straße" unendlich öde. Zuerst berührten wir BZtin, das alte Bethel, in dem einst die Stiftshütte, dann aber auch der Altar des Götzendieners Ierobeam stand. Im Wüdi-el-Haramije, dem Räuberthal, und am Ain-el-Haramije, der Räuberquelle, stieß uns nichts Unangenehmes zu, obwohl die