Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 10 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Die größtenteils mit weiden bewachsenen Ufer des Flusses entschwanden schnell unfern Blicken, als wir den Rückritt nach Lr-Riha angetreten hatten. Lustig tummelteu sich die Pferde an dem herrlichen Frühlingsabend auf der weiten Ebene. Einmal war ich auf meinem Schimmel den meisten Reisegefährten weit vorangeeilt. Da sah ich mich plötzlich einem Beduinenlager gegenüber und in demselben Augenblick auch schon von zahlreichen Bachschisch heischenden Rindern umzingelt. Ich verteidigte mich bei diesem Überfall mit Pfeffermünzküchlein, die ich unter die Menge warf, und die den schwarzäugigen Büblein und Mägdlein zu munden schienen. Ls war 5x/2 Uhr, als wir wieder tu unser Hospiz einzogen. Der Abend verlief in derselben weise wie der vorige. Zwar waren wir jetzt nicht mehr allein im Hause. Lin Russe und sein Dragoman hatten sich inzwischen eingefunden. Doch störte uns ihre Anwesenheit nicht, wie sie sich hoffentlich durch die deutschen Gesänge, die wir miteinander anstimmten, nicht belästigt fühlten. Unsere alte russische Hausmutter äußerte ihre Freude über diese Töne, obwohl sie den Sinn derselben nicht verstand. Der dritte Reisetag brach etwas trübe an. Aber allmählich klärte sich der Himmel auf, und so zeigte sich uns die Iordanaue noch einmal in ihrer ganzen Schönheit, welche Lieblichkeit und Großartigkeit mit einander verbindet. Freilich dauert es nicht lange, bis die Glut der Sonne alles versengt und auch diesem Landstrich den Stempel der wüste wieder aufgedrückt hat. Um 8 Uhr früh ritten wir aus d.em Thor der Pilgerherberge hinaus, in welches an diesem Morgen schon zahlreiche, mit großen Steinen beladene Ramele eingezogen waren. Hinter Lr-RihL kamen wir wieder auf den weg, von dem wir drei Tage zuvor nach dem Rarantelberg abgebogen waren. Auf einer Höhe neben der Straße standen einige Beduinenmädchen, die uns 2. Sam. vor die Seele führten, wie Simei dem David, riefen sie uns Scheltworte zu und warfen uns, freilich ohne zu treffen, mit Steinen. Als wir diesmal nicht innerhalb, sondern in der Nähe des Rhüns Hadrür lagerten, kamen einige Hirten zu uns. Liner erbat sich eine leere Weinflasche, um eine Wasserpfeife aus derselben zu machen. Lr müsse sonst sterben, d. h. wenn ihm diese Bitte abgeschlagen werde, behauptete er. Wie wenig ernst manche Redewendungen der Eingeborenen zu nehmen sind, dafür noch ein Beispiel. In der Regel rückt ein Bittsteller mit seinem Anliegen nie sofort heraus. Auf die Frage des Besuchten: „Was wünschest Du?" antwortet der Besucher: „Ich will Dich begrüßen." Ls dauert längere Zeit, bis er den Zweck seines Rommens offenbart. Vgl. schon \. Mose 23. Auch an diesem Tage kamen manche Reisende zu Fuß und zu Pferd an uns vorbei. Drei bewaffnete Wanderer schienen deutsche Handwerksburschen zu sein, wie denn solche in großer Anzahl alljährlich Palästina durchstreifen. In Jerusalem erzählte mir einmal ein deutscher Schneidergeselle seine Erlebnisse. Lin ostpreußischer Herr, der mit einer Reisegesellschaft nach dem Jordan ritt, stellte sich unterhalb