Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 9 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 nehmer an der Expedition Riebeck am ^3. Dezember ^880 im Jordan ertrunken ist. Dom Dach des Hospizes genossen wir die wunderschöne Aussicht. Das Tote Meer schien wegen der Reinheit der Luft dicht vor uns zu liegen. Der scheidende Tag versprach einen gleich schönen Nachfolger. Nach Sonnenuntergang wurde es kühl, und wir suchten nun die große- Halle der Herberge auf, um unser Abendbrot einzunehmen und dann noch einige Zeit gemütlich bei einander zu sitzen. Liner von uns, ein württembergischer Lehrer, verlas aus seinem Neuen Testament die Abschnitte, die uns an diesem Tage besonders nahe gerückt worden waren: Matth. $ und Luk. \8 u. f. Auf die Blinden von Jericho und auf den Zollbeamten Zachäus lenkten auch die beiden an den Wänden der Halle hängenden Gemälde unsere Blicke. Nach dem Gesang geistlicher Lieder hielt Inspektor 5. die Abendandacht ab, bei welcher Psalm 27 zu Grunde gelegt wurde. Auch am folgenden Morgen kamen Leib und Seele zu ihrem Recht. Ich leitete diesmal den Hausgottesdienst mit Benützung von Psalm % Nach 8 Uhr brachen wir auf, überschritten wieder den Bach Rrith und zogen südwärts dem Toten Meere zu. In der weiten,, blühenden Ebene weideten Schafe, Rühe und Pferde. Ein Beduinenlager blieb in der Ferne liegen. Einer der Berge des Westens wurde uns als der „Nebi Mnsa" bezeichnet. Die Muhammedaner suchen dort das Grab Moses und haben daher auf der Höhe eine Wallfahrtskapelle erbaut. Nach der Bibel ist der große Lehrer und Heerführer: Israels vielmehr auf einem der im Osten vom Toten Meer liegenden Berge Moabs gestorben, auf dem jenem Berge, dem Nebi Müsa^ gegenüberliegenden Nebo. Nach \0 Uhr hielten unsere Rosse am Ufer des 75 km langen, km breiten Salzmeeres. Schon ein gutes Stück vor demselben hatteder Pflanzenwuchs vollständig aufgehört. Der lehmige Boden war nur mit Steinen und angeschwemmten hölzern bedeckt. Rein lebendes Wesen zeigte sich weit und breit. Daß Fische, die vom Jordan hierher geführt werden, in diesem Wasser alsbald sterben müssen, erkennt jeder, der einen Tropfen desselben in den Mund nimmt oder die Augen mit ihm benetzt. Die meisten von uns ließen es sich nicht nehmen, die Tragkraft des Sees badend zu erproben, obwohl man dies, wenigstens wenn man untertaucht, mit brennenden Augen zu bezahlen hat. wie mir der greise Hausvater des Syrischen Waisenhauses in Jerusalem mitteilte, fließt nach den Angaben der Beduinen im Osten des Toten Meeres eine schwer zugängliche Asphaltquelle in dasselbe. Doch ist ihr Ertrag nicht sehr reich, da vieles versickert, wenn das- Meer bewegt ist, reißt es die von der Ouelle geschaffenen Rlumpen weg und treibt sie ans Land. Der Asphalt hat eine braune Farbe und ist so fein wie Harz. Er geht der Seltenheit wegen in kleinen Stücken nach Europa. Unter der jetzigen Regierung kann man ihn geschäftlich nicht nutzbar machen. Sie legt auf ihn so hohe Abgaben, daß den Händlern die Lust vergeht. Auch am westlichen Abhang des