Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 9 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Bei Gethsemane sammelten sich die Reisegefährten, im ganzen 9 Personen, mit Ausnahme der beiden Roßknechte und eines aus dem Waisenhause mitgenommenen Dieners lauter Deutsche. So erklangen denn auch deutsche Lieder, als wir um den Glberg herum nach Bethanien ritten. Mit besonderer Lust stimmten wir ein in „Morgenglanz der Ewigkeit" und „Gott des Fimmels und der Erden". Nach den vielen Regen- und Schneetagen der letzten Wochen that der liebliche Sonnenschein ungemein wohl und forderte kräftig zum Preise des Schöpfers auf. Raum lag Bethanien hinter uns, da sahen wir uns von einer Anzahl Bewaffneter umringt. Es waren Beduinen von Abu Dis, welche hier auf Reisende zu warten pflegen, glücklicherweise nicht um sie auszuplündern, sondern um sich ihnen als Schutzmannschaft anzubieten. Diese Leute haben von der Regierung das Recht gepachtet, einzelne oder Gesellschaften gegen eine mäßige Bezahlung auf dem zu Zeiten gefährlichen Wege zu begleiten. Die beiden in Jerusalem ansässigen Führer unserer Karawane, welche die Straße genau kennen, meinten jedoch, daß wir auf eine Begleitung verzichten dürften. Nach längeren, arabisch geführten Verhandlungen ließen sich die Beduinen bewegen, uns allein ziehen zu lassen. Gottlob kamen wir auch auf der ganzen Strecke ohne sie glücklich durch. Lin Überfall in der Zordanaue war, wie ich später erzählen werde, harmloser Art. Beim Weiterreiten leuchteten uns bald die schneebedeckten Berge des Gstjordanlandes entgegen: ein prachtvoller Anblick. Zn der nächsten Nähe dagegen hatte das Auge keine oder doch nur spärliche Weide. Das einsame Land, durch das wir ritten, ist die Wüste Juda. Die Straße war durch Regengüsse stellenweise so aufgeweicht oder zerrissen, daß wir rechts oder links abbiegen mußten. Am sog. Apostelbrunnen vorbei, der auch Bir-el-Hod, d. h. Brunnen der Tränke, genannt wird und früher Sonnenquelle hieß (Zosua \5, 7), stiegen wir ins Wüdi-el- H6d hinab. Je weiter wir kamen, desto üppiger wurde die Pflanzenwelt. Auch hier sah man namentlich die rote Anemone prangen. Einzelne Reisende, auch Beduinen, begegneten uns. Einmal mußten wir an einer großen Blutlache vorüber reiten. Ein Ramel war gestürzt oder geschlachtet worden, und die verschiedenen Besitzer schienen sich nun in ihr Eigentum zu teilen. Mit Wohlgefallen ruhte das Auge allemal auf dem lieblichsten Bilde, welches uns in dieser Einöde dargeboten wurde: dem Wirten und seiner Herde. Nach \2 Uhr erreichten wir den hoch liegenden RHLn Hadrür, der sich etwa auf halbem Wege zwischen Jerusalem und Jericho besindet. Nach der Überlieferung brachte der barmherzige Samariter Luk. \6 seinen Schützling hierher, wir sahen keinen Wirt: nur einen Schwarzen, der uns neugierig anstarrte und gerne einen Bachschisch annahm. Im innern Hofraum stiegen wir von den Pferden und bewirteten uns selbst mit den von Jerusalem mitgebrachten Lebensmitteln. Auf der letzten Höhe, die wir nach eingenommenem Frühstück erklommen, zeigte sich rechts der glänzende Spiegel des Toten Meeres, vor uns die schöne Jordanaue und links das tief eingeschnittene wüdi-el-