Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 9 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 wird hier nur die männliche Jugend unterrichtet. Die Knaben sitzen beim Unterricht gewöhnlich im Freien. Der Lehrer ist zugleich Vorbeter. In der kalten Jahreszeit werden die Religionsübungen eingeschränkt, wie uns in Lifta erzählt wurde. Weil der Muhammedaner sich vor der Andacht baden muß, fällt ihm das Beten im Winter schwer. Am Brunnen des Dorfes füllten mehrere Frauen Ziegenschläuche mit Wasser. Später begegnete uns ein Gffiziersbursche aus Jerusalem, der seinem Herrn aus derselben vorzüglichen Quelle Wasser Holte (vgl. 2. Sam. 23, \5 ff.). Nach Ersteigung der Höhe, an deren Fuß Lifta liegt, und über welche die Jaffastraße führt, sahen wir südwärts im Thal das Kreuzkloster der Griechen liegen. Auf diesem Platz soll Adam den Baum gepflanzt haben, aus dessen Holz das Kreuz Christi gezimmert wurde! Den wahren, tiefen Zusammenhang zwischen Adam und Christus beleuchtet der größte Schüler Gamliels des Alten: Röm. 5, \2 ff. Im Kreuzkloster befand sich früher das einzige Seminar *der griechischen Kirche des heil. Landes. Daß es jetzt schon mehrere Jahre lang geschlossen ist, hängt mit der in dieser Kirche herrschenden allgemeinen Unordnung zusammen. VIII. Hebron. Schon am folgenden Morgen, den 27. Februar, ging es wieder hinaus. Gegen 7 Uhr reisten Inspektor S. und ich in einer Kutsche, die von flinken Rossen gezogen wurde, nach Hebron, der ältesten Stadt der Bibel, ab. Unterwegs gesellte sich noch ein Landsmann, ein Verwandter meines Gastgebers, zu uns. Das Wetter war immer noch kalt und regnerisch. wir fuhren zwischen Bethlehem und Bet-Djala durch und machten Erst bei den sog. Teichen Salomos halt. Ls sind dies drei große Wasserbehälter, von denen aus Jerusalem früher mit Wasser versorgt wurde. Neben dem ersten Teich liegt eine alte Festung. Die Eingeborenen nennen diese Gegend „Burak". Nachdem wir dann noch Ein Stück weiter gefahren waren, kehrten wir bei einem jüdischen Wirt Ein, obwohl sein „Gasthaus" keineswegs verlockend aussah. Die Gegend war im ganzen recht öde, größtenteils ein Felsengebirge. Auf Einer Höhe zur Linken des Weges wurde uns das Grab des Propheten Jona gezeigt.' Etwas nach \2 Uhr kamen wir in Hebron an. Zwei Amerikaner, die ebenfalls in einem wagen hierher gereist waren, ergötzten die Jugend dadurch, daß der eine auf dem Rücken des andern durch den tiefen Kot ritt, welcher die Herberge umgab. Wir wanderten, von einem Knaben geleitet, zu Fuß in das Haus des vom Jerusalems- Verein angestellten arabischen Evangelisten D. und fanden hier die freundlichste Aufnahme. Außer dieser, aus sechs Gliedern bestehenden evangelischen Familie giebt es in Hebron nur noch sechs einzelne Personen evangelischen Bekenntnisses, unter ihnen drei englische Diakonissen. Aber zu den Gottesdiensten, die Herr D. allsonntäglich hält, stellen sich auch griechisch-katholische und armenische Christen ein. Die Zahl der