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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 8 (1891) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
8 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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62 ein früherer Zögling des Syrischen Waisenhauses, Hr. K. Derselbeist schon \2 Jahre hier und fast ebenso lange mit einer früheren arabischen Diakonissin aus Jerusalem verheiratet. Er spricht vortrefflich deutsch. Die späten Gäste wurden mit großer Freundlichkeit begrüßt und bewirtet. Ohne eine leibliche Erquickung empfangen zu haben, darf ja in der Regel 'ein Besucher im Morgenland das Haus nicht verlassen. Auch zwei Lehrer der evangelischen Gemeindeschule, die von. 200 Rindern christlichen Glaubens besucht wird, lernte ich kennen. Wie in Bethlehem, wird hier seit Neujahr J89J in der ersten Schulklasse in deutscher Sprache unterrichtet. Die Schulräume lehnen sich an die hoch und schön liegende, am Weihnachtsfest des Jahres ^886» eingeweihte Kirche an. Vor dem Aufbruch nach Jerusalem stiegen wir zu diesem Mittelpunkt des evangelischen Lebens in dem großen Dorf empor. Die mitgenommenen Kerzen erhellten das Schul- und das Gotteshaus nur notdürftig. Vor dem Taufstein des letzteren stehend, vereinigten sich die deutschen und die arabischen Protestanten zu kurzem Gebetsgottesdienst, wiv priesen den himmlischen Vater dafür, daß er auch hier den Leuchter des Evangeliums aufgestellt hat, und befahlen ihm die Gemeinde an, die sich hier auf den Grund der Apostel und Propheten erbaut. Bei dieser Abendandacht in dem Halbdunkeln, einfachen Kirchlein konnte man mehr als in der Geburtskirche von Bethlehem oder in der Grabeskirche von Jerusalem eine Empfindung von der Nähe des HLrrn haben. Gar lieblich war dann der Heimritt im Mond- und Sternenlicht. Vor bald 19 Jahrhunderten zogen in umgekehrter Richtung die nach dem neugeborenen König der Juden sich sehnenden weisen aus dem Morgenland dieselbe Straße, bestrahlt von jener wunderbaren Himmelserscheinung, die ihnen ankündigte, daß nunmehr der Stern ans Jakob (^. Mose 2H) aufgegangen sei. Ich suchte am nächtlichen Fimmel den Polarstern, um mich über die Lage meiner Heimat zu ynterrichten. Gott sei Dank, daß das in Bethlehem erschienene Licht der Welt auch in Deutschland leuchtet! Gott helfe weiter, daß es in seinem Kampf mit der Finsternis auch hier immer wieder neue Siege erringen möge! Unter anregenden Gesprächen mit meinem liebenswürdigen Begleiter wurde der Weg schnell zurückgelegt. Zuletzt bogen wir von der Straße nach links ab, um durch die Kolonie der Templer zu reiten, deren hübsche Gärten und stattliche Däuser sich zu beiden Seiten einesguten Weges hinziehen. Am Jaffathor trennten wir uns. Mein Reisegefährte kehrte in die deutsche Ansiedlung zurück, wo ich ihn an einem der folgenden Tage inmitten seiner Familie begrüßen und weitere Beweise seiner Freundlichkeit empfangen durfte. VII. Lifta. Acht Tage später (ich war inzwischen in das Syrische Waisenhaus übergesiedelt) sollte die im Nordwesten Jerusalems bis zu 9W ki sich erhebende Höhe Mizpa Samuelis (Nebi Samwil) erstiegen werden. Dies ist der Mrt, an welchem Samuel einst sein Volk richtete, und in dessen Nähe er nach einem glänzenden Sieg über die Philister einen

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