Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 8 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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60 mir auch Gelegenheit geboten, in angenehmer Gesellschaft den ersten größeren Ausflug zu machen. Das vornehmste Ziel war Bethlehem, die Davidsstadt, in welcher zur erfüllten Zeit der größte Davidssohn, „der Heiland, Christus, der HErr" (Luk. 2, lO, geboren wurde. Bei unserm gemeinsamen Mittagsmahl im Johanniterhospiz wurde der plan besprochen. Auch ein gerade anwesender, in der Templerkolonie ansäßiger Baumeister schloß sich uns an. Der Dragoman sorgte für Pferde, und bald trugen uns diese aus dem prächtigen Damaskusthor hinaus. wir ritten außen an der Stadtmauer herum und kamen beim Jaffathor auf die Straße, welche zum Lsinnomthal hinab und weiter nach Bethlehem führt. Die feurigen arabischen Rosse konnten sich hier recht austoben. Dem einen Reitersmann, dem ungeübtesten in der Gesellschaft, war die Bewegung manchmal etwas zu lebhaft. Doch begegnete ihm nichts Widriges, da zwei mitreitende preußische Kavallerie- Offiziere ihm unterwegs einen vorzüglichen Reitunterricht erteilten. Das Eliaskloster und das Grab Rahels sind die merkwürdigsten Gebäude auf diesem Wege. Das letztere ist ein ansehnlicher Kuppelbau. welch' ein Unterschied zwischen der Lieblingsfrau des Erzvaters Jakob, die nach alter Überlieferung hier beerdigt worden ist (l. Mose 35), und dem ersten Herodes, dessen Grab auf dem im Südosten sich erhebenden, eigenartig gestalteten Frankenberge liegt! In der Geschichte Bethlehems steht der Name dieses Gewaltherrschers mit Blut und Thränen verzeichnet (Matth. 2). Wir näherten uns schnell dem Ziel. Jetzt ging es die letzte Anhöhe hinauf, und nun befanden wir uns in den engen Gassen der wie Jerusalem hochgebauten Stadt, die etwa 8000 fast lauter christliche Einwohner zählt. Das Straßenpflaster fanden wir hier ebenso schlecht wie dort. Auch sonst läßt Bethlehem manches zu wünschen übrig, wenn man es mit den Augen eines Europäers betrachtet. vor der im Osten der Stadt liegenden Geburts- oder Marienkirche überließen wir unsere Pferde der Obhut der kleinen arabischen Burschen, die von Jerusalem aus neben uns her gelaufen waren, und betraten das uralte Gotteshaus. Schon i. I. 330 errichtete Konstantin hier eine Basilika. Justinian erbaute eine schönere Kirche, und sie ist, obgleich sie manche bauliche Veränderungen erfahren hat, noch jetzt vorhanden, vier Säulenreihen bilden fünf Schiffe. Das Ouerschiff ist durch eine Mauer von diesem Hauptteil der Kirche getrennt, von ^der oberen Kirche stiegen wir in die untere, die Krypta, hinab und ließen uns die Geburtskapelle zeigen, Hier sahen wir in einer Nische am Boden einen eingelegten silbernen Stern und lasen eine denselben umgebende lateinische Inschrift, welche besagt, daß hier'Jesus Christus von der Jungfrau Maria geboren worden sei. Die Nische wird von \5 silbernen Lampen erleuchtet. Schon im 2. Jahrhundert bezeichnete man diese Stätte als den Ort, an welchem „das Licht der Welt" zur Welt gekommen sei. Die Annahme, daß dies- Ereignis, welches die Weltgeschichte in zwei Hälften geteilt hat, in einer Höhle erfolgt sei, hat nichts Unwahrscheinliches. Noch jetzt benützt man in Palästina gerne Höhlen als Ställe. Aber mit völliger Sicherheit läßt sich der