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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 8 (1891) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
8 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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59 großartige Russenbau. Infolge meiner am 2\. Februar erfolgten Übersiedlung unter das gastliche Dach des Syrischen Waisenhauses wurde ich mit dieser Anstalt gründlicher bekannt als mit irgend einer andern. Sie beherbergt \36 Rinder, die von Lehrern und Handwerksmeistern unterrichtet werden. Ich sah hier auch einen von dem Hamburger Pastor Ninck getauften und seither unter mancherlei Prüfungen bewährten Beduinen. Der Haß seiner früheren Glaubensgenossen ist noch so groß, daß er sich bei Tage nicht in die Stadt wagen kann. Er hat das Schuhmacher-Handwerk erlernt und dient in demselben, aber auch als Thorwart dem Waisenhause. Der zweite von Ninck getaufte Muhammedaner weilt auf dem Libanon. In Talitha Rumi nahm ich an einem Wochentage am Unterricht teil und hörte an einem Sonntagabend deutsche Lieder aus dem Munde der arabischen Mädchen. Im Norden der Stadt zog meine Aufmerksamkeit besonders der mit muhammedanischen Gräbern bedeckte Hügel oberhalb der Jeremiasgrotte auf sich, da er von vielen Forschern für das echte Golgatha gehalten wird. Auch Miss. H., der mich hierher führte, tritt für diese Annahme ein. Besonders spricht für dieselbe, daß von hier aus die Verbrecher hinabgestürzt und gesteinigt wurden („Beth Hasiekilah"). Nach der Tötung 'fand oben die Kreuzigung der Leichname statt. An diesem Hügel kreuzten sich die von der Burg Antonia nach der Hafenstadt Täsarea und die vom Damaskusthor nach Galiläa führende Straße. Der arabische Name des Platzes lautet „Ll-Hadamije". In den angrenzenden Ruinen der Stefanskirche sahen wir mehrere neuerdings geöffnete Gräber. Zwei derselben bargen zufolge der Aufschrift auf dem einen die Überreste der Diakonen Nonnus und Gnisimus. Sehr merkwürdig sind auch die sog. Gräber der Könige, die noch weiter nördlich liegen. Sie haben allerdings keine Beziehung zu den alten jüdischen Königen. Vielmehr sollen hier die. Königin Helena von Adiabene und ihre Nachkommen beerdigt worden sein. Diese ganze Familie trat im ersten nachchristlichen Jahrhundert zum Judentum über. Zur Zeit sind die Grabkammern leer. Mitten in die Gegenwart werden wir wieder versetzt, wenn wir das nahe liegende Arbeitshaus der Londoner Iudenmission aufsuchen. Geht man von diesem Punkt der Vorstadt vor dem Damaskusthor in südwestlicher Richtung weiter, so berührt man einen Aschenhügel, in welchem die verkohlten Überreste von Tieren, Zähne und Knochen derselben, gefunden werden. Früher bestand in der Nähe ein zweiter, noch größerer. Derselbe wurde aber allmählich abgetragen, indem man die Asche beim Bauen als Mergel gebrauchte. Man nimmt an, daß hierher die nach der Verbrennung der Mxfertiere im Tempel übrig gebliebene Asche geschafft wurde. Der bekannte Chemiker Liebig in München war der erste, welcher nachwies, daß man es hier wirklich mit tierischen Stoffen zu thun hat. VI. Bethlehem und Bet-Djala. An demselben schönen, sonnigen Tage, an dessen Morgen ich eine einsame Wanderung auf die Höhe des Mlbergs unternahm, wurde

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