Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 6 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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^5 (Klbergs von den Russen erbaute Turm zu der Erkenntnis verholfen, daß er wirklich in Jerusalem war. Am zweiten Morgen nach meiner Ankunft pilgerte ich ganz allein durch die Via dolorosa, an welcher das Johanniterhospiz liegt, -und unter dem Beee-lwnio-Bogen hindurch, um beim Stefansthor die Stadt zu verlassen, ins Kidronthal hinab- und jenseits desselben zum Olberg hinaufzusteigen. Zahlreiche Bettler und Bettlerinnen aller Altersklassen saßen am Wege, und kläglich tönte mir ihr Geschrei entgegen: „Bachscliisch, ja chawädscha! “ Einen Bachschisch forderte auch der Wächter des Turmes, in welchem die Glocken der nahen russischen Kirche hängen, ehe er mich in denselben eintreten ließ. Das trübe Wetter der beiden vorangegangenen Tage war freundlichem Sonnenschein gewichen. So genoß ich die herrlichste Fernsicht. Im Gsten sah ich das Gebirge Moab und an seinem Fuß den glänzenden Spiegel des tief unten liegenden Toten Meeres. Im Westen aber dehnte sich, vom Kidron zum Berge Zion aufsteigend, von einerhohen Mauer eingeschlossen, die Stadt des großen Königs aus. Ringsum ist sie von den Wächtern umgeben, um derentwillen es ps. \25, 2 heißt: „Um Jerusalem her sind Berge, und der HLrr ist um Sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit." Durch die Öffnungen des Turms brauste der Wind zu mir herein. Roch mehr bestürmten mich die Erinnerungen an das, was in der Stadt zu meinen Füßen und in diesem ganzen Landstrich sich zugetragen hat. Welche zweite Stadt chat eine solche Geschichte aufzuweisen? Wo hat der allmächtige Gott kräftiger in die Welt und die Menschheit eingegriffen als hier? wo ist Seine Lsirtentreue gegenüber den verlorenen Schafen großartiger geoffenbart worden? So viele glänzende Namen angesichts der Stadt Jerusalem vor das Geistesauge treten: „kein Name leuchtet mit solchem Scheine durch -alle Zeiten, o HLrr, wie der Deine." Von diesem Berge zog Er, die Krone Israels, der glänzendste Edelstein im Geschmeide des Ruhms dieses Volkes, hinab ins Thal und hinauf zum Heiligtum Seines Vaters, von dem begeisterten Zuruf Seiner Getreuen umwogt. Und auch dort im Tempel wurde er von Kinderlippen freudig begrüßt: „hosianna dem Sohne Davids! " Sacharias Weissagung von dem Einzug des Königs der Tochter Zion erfüllte sich. Bald geschah auch, was andere ^Prophetenstimmen angekündigt hatten: die Tötung und Wiederbelebung desselben Königs. Er erschien Seinem Volke in der Dornenkrone und am Marterpfahl, verschmäht und geschmäht, gegeißelt und durchbohrt. Doch schon nach wenigen Tagen schritt er dahin als ein Sieger über seine Feinde, als ein Sieger auch über Tod und Grab, Hier auf diesem Berge war's, wo er endlich nach Ablauf der HOtägigen Gsterzeit won den Seinen schied und zu Seinem himmlischen Vater zurückkehrte. Israel hat auch nachher in der Mehrzahl seiner Glieder diesen König von sich gestoßen. Darum stand auf jener Höhe zu meiner Rechten, dem Skopus, i. I. 70 unserer Zeitrechnung das Lager des Titus und drüben auf dem Moria an heiliger Stätte der Greuel der Verwüstung (Matth. 2%, \5). Darum folgte auf die Zerstörung der