Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 6 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Erweckung durch einen Königssohn bedarf? Daß wir Christen doch eifriger wären, auch hier den Heiland zu predigen, der bis an der Welt Ende herrschen soll (pf. 2, 8) und auch Israel noch immer erbarmungsvoll begegnet! Während unsere Schritte auf dem schlechten Pflaster schnell verhallten, tönten wohllautende Glockenklänge an mein Dhr. Auf einem nahen Turm schlug die Uhr die zehnte Stunde. Und nun war auch schon der Gang in der kalten Nacht zu Ende. Mein arabischer Begleiter pochte an das Thor des von dem deutschen Iohanniterorden eingerichteten Hospizes, welches als solches auch durch eine Inschrift kenntlich gemacht wird. Der biedere Hausvater, der auf meine Ankunft vorbereitet war, öffnete, und ich befand mich wieder unter Landsleuten. Trotz der späten Stunde wurde der neue Ankömmling noch mit Speise und Trank erquickt, ehe er sein Lager aufsuchte. III. Auf dem Werg. Wie auf die Weihnachtsfeier, so rüstet man sich auch auf einen Aufenthalt in Jerusalem schon lange zuvor. Die jenem Feste vorangehenden letzten unruhigen Tage haben ihr Seitenstück an der Reise und ihren mancherlei erregenden, oft aufregenden Eindrücken. Der Weihnachtsabend mit seiner Bescherung gleicht der Ankunft am Ziele der Pilgerfahrt, wie die ganze Festzeit mit dem Aufenthalt in der heil. Stadt eine gewisse Ähnlichkeit hat. Wie es uns nun manchmal beim Beginn des Weihnachtsfestes infolge jener unvermeidlichen Unruhe der Vorbereitungszeit noch nicht recht weihnachtlich zu Mute ist, so stellt sich auch bei manchen pilgern am Ziel ihrer Reise nicht sofort eine gehobene, festliche Stimmung ein. In Breslau besteht eine vortreffliche kirchliche Einrichtung, die recht geeignet ist, die eigentliche Festfreude am Weihnachtsfest zu vermitteln: die „Lhristnacht", die in vielen Gotteshäusern am ersten Festtag früh morgens, teilweise schon von 5 Uhr an, gefeiert wird. Der Gang durch die zumteil noch schlafende große Stadt, über deren Paläste und Hütten die Weihnachtsglocken ihre feierlichen Klänge hinsenden, die dichtgedrängten Scharen, welche trotz der frühen Stunde die hellerleuchteten Kirchen anfüllen, vor allem die einfachen und doch so majestätischen Worte der heil. Schrift, die in Verbindung mit Gemeinde- und Thorgesängen das Weihnachtswunder preisen: alles das kann empfängliche Gemüter in die durch den Seligmacher geöffnete Welt der Seligen einführen, sie veranlassen, die durch die Äußerlichkeiten des Festes oft verdunkelte Hauptsache desselben zu bedenken und seinen Hauptsegen zu begehren. Was dieser schöne Gottesdienst schon für viele Bewohner der Hauptstadt Schlesiens gewesen ist, das hat manchen Besuchern Jerusalems Gethsemane gewährt. So sagte unser Kaiser Friedrich von seiner Anwesenheit in der heil. Stadt während des Jahres ^869: „Ich wußte nicht, daß ich in Jerusalem war, bis ich meine Begleitung entlassen und mich eine Stunde lang ganz einsam in Gethsemane aufgehalten hatte." Dem Schreiber dieses hat besonders der auf der Höhe des