Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 6 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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^5 seinen Namen genannt und nach dem meinigen gefragt, dann den letzteren, offenbar um ihn seinem Gedächtnis einzuprägen, mehrfach laut hergesagt. Dabei verstand der Spanier meinen Vornamen falsch. Er glaubte, derselbe laute „Llohim" (-Gott). Sein Unwille wäre gerecht gewesen (vgl. Hesek. 28, 9), wenn sich die Sache wirklich so verhalten hätte. In Kulonieh wurde noch einmal Halt gemacht. . Manche sind der Ansicht, daß hier das Lmmaus des Neuen Testaments zu suchen sei. Wir erwärmten uns in der freundlichen Herberge und nahmen unser Abendbrot ein. Der muhammedanische Freund, der schon im Than zu Bab-el-wadi auf einer Matte stehend, knieend und liegend seine Gebete verrichtet hatte, hielt hier seine Abendandacht ab. Auch der spanische Jude sprach seine Gebete, obwohl in der Wirtsstube ringsum gegessen, getrunken und geplaudert wurde. Als mir gegenüber im Gespräch mit einem deutschredenden Besucher dieser Karawanserei der Wunsch geäußert wurde, ich möchte ein Lied in der Sprache meiner Heimat singen, ließ ich mich nicht lange erbitten, sondern stimmte kräftig den Thoral an: „Lobe den HLrren, den mächtigen König der Lhren!" Und so kam denn zu dem Lobe des Höchsten, welches der Muhammedaner und der Israelit dargebracht hatten, noch ein solches aus dem Munde eines Thristen hinzu. Noch 2 Stunden hatten wir zu fahren, da lag Jerusalem vor uns. Der Kutscher stieg ab, um die Wagenlaternen anzuzünden. Bald tauchten im Halbdunkel zur Seite des Weges die ersten Häuser auf. Vor einem türkischen wachthause gab es noch einen kurzen Aufenthalt. Line rauhe männliche Stimme fragte nach den Insassen des Wagens. Endlich war die letzte Strecke zurückgelegt: wir befanden uns am Ziel. Der wagen hielt dicht vor dem Jaffathor. Alles schien hier schon zur Ruhe gegangen zu sein. Wir stiegen aus und verabschiedeten uns von einander. Mein „Missionsgehülfe", der mich seinen „Bruder", seinen „Vater" genannt und zum Andenken jenen während der Reise von ihm benützten arabischen Bibelteil erhalten hatte, war darauf bedacht, mir für mein Gepäck einen Träger zu besorgen. Am Himmel leuchtete der zunehmende Mond, aber eilende Wolken verschleierten ihn nur zu oft. Der Regen hatte glücklicherweise aufgehört. Und nun standen meine Füße in dem ersten Thor Jerusalems, auf die Lippen aber drängte sich das Bekenntnis: Gott sei Dank! In ebendemselben Thor wurde einst ein greiser litauischer Rabbiner in dem Augenblick von türkischen Reitern niedergetreten, als er für die Ankunft in der heiligen Stadt dankerfüllten Herzens Gott auf seinen Knieen preisen wollte. So wird ja Jerusalem selbst immer noch von den Ungläubigen zertreten, wann erscheint der Befreier, der die am Boden liegende, für ihre Sünden büßende Jungfrau, die Tochter Zion, wieder aufrichtet, der ihr die ehemalige Königsherrlichkeit wieder verleiht? Noch ein anderes Bild wurde mir durch die nächtliche Wanderung in den engen, nrenschenleeren Straßen der hochgebauten Stadt nahegelegt. Ist Jerusalem nicht ein schlafendes Dornröschen, welches der