Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 47 (1891)
- Issue
- 6 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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H2 W* Jahrhundert erbauten Turm auszeichnet, auch einen deutschen Gasthof besitzt. Zwischen Jaffa und Ramleh zweigt sich links ein Weg nach dem durch die Heilung des lahmen Äneas (Ap.-G. 9, 33 ff.) bekannt gewordenen Lydda ab. hinter Ramleh dagegen berührten wir Latrun, in welchem der Überlieferung zufolge der zur Seite des Erlösers gekreuzigte bußfertige Schächer (Luk. 25, HO ff.) zu Hause war. Die von der christlichen Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Flüchtlinge vor bald 7 Jahren gegründete Kolonie Artuf bei Latrun konnten wir nicht sehen. Gegenwärtig befinden sich dort 6 jüdische Familien. Die Leitung liegt in den Händen eines russischen Juden - christen. wie es heißt, soll in der Nähe von Artuf eine Station der Bahnlinie Jaffa-Jerusalem angelegt werden. Um 51l2 Uhr kamen wir in Bab-el-wadi (der Pforte des Thals) an. Hier beginnt das Gebirge Juda. Eine große, schauerliche Halle nahm uns auf. In einer anstoßenden kleinen stand ein Reitpferd. Auf niedrigen Stühlen um einen ebensolchen Tisch herum sitzend, tranken wir aus den Schälchen, welche uns der schmutzige Wirt reichte, .Raffe. Da auch ein zweiter Wagen, der dem unserigen gefolgt war, seine Insassen in die inneren Räume des Thans (des Gasthauses) entließ und sonst noch allerlei Personen aus- und eingingen, wurden mir viele malerische Gestalten vorgeführt. Mehrere wild aussehende Männer erstiegen eine gegenüberliegende Höhe, um Gazellen zu jagen. Bald hörte man auch Schüsse fallen. Nachher ging ich mit dem muhammedanischen Reisegefährten eine Strecke weit' zu Fuß, da der Wagen auf der ansteigenden Straße nur langsam fuhr, hierbei trat die „antisemitische" Gesinnung dieses Semiten zu Tage. Er hatte von den Juden eine sehr geringe Meinung. „Mein Gott hat ihnen das gethan", sagte er mit Bezug auf die jetzige Heimatlosigkeit derselben. Um so mehr nahm es mich später wunder, daß er 2 jüdischen Mitreisenden ein Abendbrot bezahlte, und umsomehr freute es mich auch, daß er doch hatte helfen müssen, Iudenmission zu treiben. Er besitzt in Jaffa einen Garten, von dem er wünschte, ich hätte ihn gesehen. Don dem Ertrage seiner Grangenbäume spendete er köstliche Proben. Auch in seine Familienverhältnisse weihte er mich ein. Er ist der glückliche Vater eines Sohnes und einer Tochter. Das Wetter war im Lauf des Tages immer unfreundlicher geworden. Mehrfach regnete es. Die kahlen, steinigen Berge, an denen hier und dort schwarze Ziegen emporkletterten, paßten recht zu dieser Witterung. Lin Herr, den ich in Jaffa kennen gelernt hatte, ritt auf seinem mutigen Roß an uns vorbei. Sonst bot der weg nicht viel Unterhaltung. Die kleine Reisegesellschaft, der wir beiden uns wieder zugesellt hatten, wurde allmählich immer schweigsamer, je mehr die Schatten der Nacht herabsanken. <£iit Regenschauer folgte jetzt dem andern, und es wurde immer rauher, so daß inan sich nach wannenden Umhüllungen umsah. Während unserer Unterredungen kam einmal ein wunderliches Mißverständnis vor. Der Muhammedaner hatte mir