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Dibre Emeth · 1891-01-01 · 5 (1891) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
47 (1891)
Issue
5 (1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Am Nachmittage des zweiten pfingsttages wurde der vormittägige kirchliche Gottesdienst durch eine Versammlung im Frühlingswalde ergänzt und dabei mit fröhlichem Ernst die alte Sitte beibehalten/ daß die Neueingesegneten einen gemeinsamen Ausflug unternehmen. Auch 2 benachbarte Gemeinden beteiligten sich an dieser Zusammenkunft im Freien, bei welcher geistliche Lieder mit Ansprachen abwechselten. Unter einer Buche war die Ranzel erbaut worden, welche die Redner betraten. Der Zudenmissionar, der als das größte Hindernis bei der Bekehrung der Juden das schlechte Leben vieler sog. Christen erkannt hatte, benützte die Gelegenheit, bei der Christenjugend ein Wort für die Zudenkinder einzulegen. Er erwähnte, daß er von jüdischer Seite oft die Frage höre: „Warum sollen wir Christen werden, da die Christen keinen besseren Wandel führen als wir?" Er wies dann auf die erste Christengemeinde hin, deren Mitglieder auf die Zuden in ihrer Umgebung einen so tiefen, heilsamen Eindruck machten, hierauf bat er die vor ihm stehenden jungen Christen: „Seid gut gegen die Zudenkinder, macht ihnen durch euren Wandel in Zesu Fußtapfen Lust, auch mitzugehen!" welchen Segen ein solches Verhalten tragen könne, veranschaulichte der Missionar an einer kleinen Geschichte. „Zn einem Dorf war ein Pfarrerstöchterlein und das Töchterlein eines Zuden, die hatten einander so lieb. Weil sie klug und fleißig waren, saßen sie in der Schule nebeneinander, war Religionsstunde, so sagte Mariechen: „Bleib' nur da! Nun giebt es wunderschöne Geschichten und Lieder." Sarah blieb und hörte die Geschichten vom HLrrn Zesu und sang mit den andern: „Zesu, komm' doch selbst zu mir und verbleibe für und für!" Sie kam auch gern ins Pfarrhaus und besah die Bilderbücher, in denen der Heiland abgebildet war. wenn Weihnachten gefeiert wurde, durfte Sarah auch dabei sein. Zhre Eltern ließen es geschehen. Die pfarrfamilie kam aus dem Dorfe weg. Die beiden Mägdlein nahmen schmerzlichen Abschied. „Marie, behalte mich lieb," sagte Sarah und schluchzte an ihrem Halse. „Sarah, ich bete für Dich zu Deinem Messias." Zahre waren vergangen. Da kam ein Brief von Sarah: sie hatte erst den Vater, dann die Mutter verloren. „Hast Du mich noch lieb," so fragte sie, „und darf ich zu Dir kommen?" Sie kam. Der Pfarrer unterwies sie. Sie lebte und webte im Frieden der christlichen Haushaltung. Sie ward getauft. Heute versorgt sie ein Haus voll Waisenkinder, die sie dem guten Hirten Zesus Christus zuführt." Nachdem noch der Heidenmissionar gesprochen, wurde die schöne Feier beendet und die Teilnehmer zogen wieder nach Hause. Der Freund Zsraels aber schrieb abends ins Familienbuch folgende Verse: „O, wie wohl thut mir der Abend, Den mir fern vom Lärm der Stadt Unter Lüften frisch und labend Hier mein Gott bescheret hat. Als der Rleinmut mich berühret Und mir weh' ins Herz gebracht, Hat mich Gott herausgeführet Und erquickt mit Güt' und Macht. Und die Lerchen mußten singen Durch den Abendstrahl im Lhor, Und die Lüfte mußten schwingen Zhre Flügel mir ums Ohr. Berge, rings vom Wald umkränzet, Mußten treu mir nicken zu, Von dem Kirchlein, sonnumglänzet, Glocken läuten mitzur Ruh'.

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